Hinter der Sandwich-Bar stehen zwei Angestellte mit Kochhut. Sie bombardieren jeden Kunden mit Fragen: Welche Brotsorte möchtest du? Welche Sauce auf der einen Hälfte, welche auf der anderen (und falls mit Senf, welche der drei Senf-Sorten)? Welcher Salat? Was für Käse und Fleisch? Und wenn man glaubt, alles beantwortet zu haben: Getoastet oder nicht?

Die Sandwichs der Harvard-Mensa schmecken köstlich, aber der Bestellvorgang wird ohne Routine zum Stresstest. Die Warteschlange im Nacken, liegen pro Frage nicht mehr als zehn Hundertstel Sekunden zum Nachdenken drin. Ein Student vor mir wirkte einmal schon bei der Brot-Frage («vielleicht Ciabatta?») wie gelähmt und stammelte dann nur noch, er wünsche dasselbe Sandwich wie die Frau vor ihm.

Das Phänomen ist erforscht und hat einen Namen: «Paradox of choice». Statt dass uns eine grosse Auswahl glücklich macht, paralysiert sie uns. Man erlebt es im Konsumparadies USA fast täglich. Welche der vielleicht 30 verschiedenen Milchsorten im Supermarkt wohl am besten schmeckt? Nach zwei Monaten wussten wir es. Und welche Flocken im endlos langen Gestell die Kinder am liebsten mögen? Wir wissen es noch immer nicht.

Neue Lifestyle-Philosophien («Vereinfache dein Leben», «Weniger ist mehr»), die wiederum meterweise Regale in den Buchhandlungen füllen, haben nichts daran geändert: Die Auswahl wird überall immer grösser. Keine Restaurant-Gattung wächst so schnell wie sogenannte Fast-Casual-Lokale. Sie bestechen durch Geschwindigkeit, vielfältiges Essen und Fragen wie: «Möchtest du dazu Tahina- oder Aioli-Sauce?» 33 000 Fast-Casual-Restaurants gibt es laut «Wall Street Journal» in Amerika. Die Leute wollen diese anstrengende Auswahl, auch wenn sogar der Vize-Chef einer dieser Ketten, wenn er in der Schlange steht, zugab, er habe «Angst vor dem Bestellvorgang».

Genau für solche Kunden haben viele Restaurants Apps entwickelt, mit denen sie auf dem Handy ihr Sandwich, ihren Burger oder ein anderes Menü in Ruhe zusammenstellen können, ohne mit jemandem reden zu müssen. Meine Mensa bietet diesen Service noch nicht an, doch ich habe meinen eigenen, paradoxen Ausweg aus dem «Paradox of choice»: Seit ich mein Lieblings-Sandwich gefunden habe, bestelle ich nur noch das.