Es war kalt. Alle Welt achtete darauf, dass das Hemd oder die Bluse gut in der Hose verstaut war, damit die Bise nicht um die Nieren pfiff. Umso mehr fiel mitten unter dick vermummten Gestalten ein Top auf mit bauchfreier Zone.

Die Dame hatte zwischen Violett und Hennarot schillernde Haare. Sie trug einen knöchellangen rostroten Baumwollrock und an den Füssen Sandalen. Auf dem weissen Top stand gross und in zwei Zeilen: «Cute Witch». Das war Englisch – ich habe nachgeguckt – und hiess: «Süsse Hexe». Oder «niedliche», «hübsche Hexe».

Vermutlich war das ein selbstreferenzieller Kommentar. Ob Meinung und Wirklichkeit in diesem Fall übereinstimmten, ist nicht von Bedeutung. Bedeutsam ist allenfalls, was sich davon verallgemeinern lässt.

Jeder und jede hat ein Bild von sich und von der Welt, auch wenn wir alle, wären wir bibeltreu, uns keins vom anderen machen dürften. Warum aber tragen mittlerweile viele dieses Bild in einem – wohl als knackig verstandenen – Satz unter die Leute, meist auf der Brust oder am Hintern? Neulich traf ich eine Frau, auf deren Bluse in Silberlettern stand: «Spend all your Money on me». Sie sagte, sie habe nicht gewusst, was das heisse. Mich kostete es viel – und war mit Geld gar nicht aufzuwiegen.