Kommentar

Die Forderung nach mehr Lohn ist auch in Corona-Zeiten richtig

Die Unia ist eine der Gewerkschaften, die auch dieses Jahr mehr Lohn fordert. (Symbolbild)

Die Unia ist eine der Gewerkschaften, die auch dieses Jahr mehr Lohn fordert. (Symbolbild)

Trotz Coronakrise kämpfen die Gewerkschaften für höhere Löhne. Dieses jährliche Machtritual ist gerade jetzt besonders wichtig, findet unser Autor.

Inmitten einer weltweiten Gesundheits- und Wirtschaftskrise mutet es zunächst seltsam an, wenn Gewerkschaften dennoch auf Lohnerhöhungen beharren – als wäre da keine globale Pandemie. Müssten wir uns nun nicht im Gegenteil im Verzicht üben? Alle den berühmten Gürtel ein bisschen enger schnallen?

Nein, müssen wir nicht. Das Coronavirus richtet schon genug Chaos an. Da müssen wir uns nicht noch selber tiefer ins Tohuwabohu stürzen. Genau das würden wir aber tun, wenn wir einen altbewährten Prozess aushebeln würden, wie es die Lohnverhandlungen sind.

Durch das jährliche Machtritual der Sozialpartner wird letzten Endes eines sichergestellt: dass die Löhne auf Dauer so stark steigen, wie die Arbeitnehmer produktiver werden. Wenn Unternehmen, Branchen oder die ganze Wirtschaft dank technologischen Fortschritts produktiver werden, sollen sie das via Lohnerhöhungen an die Arbeitnehmer weitergeben. Und selbst in dieser Krise wird der technologische Fortschritt nicht zu stoppen sein.

So erklärt sich, dass der Arbeitgeberverband so gelassen reagiert. Da erklingt kein höflich verklausuliertes: «Kommt nun ja nicht auf die Idee, jetzt auch noch höhere Löhne zu verlangen!» Sondern es heisst nur, es gebe «kaum Spielraum» für Lohnerhöhungen». Vor der Coronakrise tönte die Sprachregelung kaum anders: der Spielraum sei «gering».

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