Smoothie-Portionen

Die Grenzen von Nestlés Verkapselungs-Strategie

Nach dem Kaffee der Smoothie: Nestlé steckt nun auch Frucht- und Gemüsepulver in Kapseln.

Nach dem Kaffee der Smoothie: Nestlé steckt nun auch Frucht- und Gemüsepulver in Kapseln.

Nestlé verkauft Kapseln für Diät-Smoothies und will dafür die Gesundheitsdaten der Kunden. Der Kommentar von Raffael Schuppisser, stellvertretender Chefredaktor.

Es lässt sich vortrefflich über den Geschmack des Nespresso-Kaffees streiten. Unumstritten ist jedoch, dass es Nestlé mit raffiniertem Marketing geschafft hat, ein sinnliches Kaffee-Erlebnis in Kapseln zu verpacken. Nun versucht der Nahrungsmittelkonzern das äusserst lukrative Business auf weitere Bereiche zu übertragen. So können in Japan auch portionierte Diät-Smoothies erworben werden.

Ob sich die Frische von Gemüse und Früchten so leicht in Kapseln pressen lässt wie aromatischer Kaffee, ist fraglich. Nestlé versucht dann auch weniger, die Geschmacksnerven der Geniesser anzusprechen. Stattdessen wird das neue Angebot unter dem Deckmantel der Wissenschaft vermarktet. Die Kapseln lassen sich personalisieren, indem sie mit jenen Zusatzstoffen angereichert werden, die dem Konsumenten besonders guttun.

Dafür schickt der Kunde Nestlé sein DNA-Profil und Fotos seiner Mahlzeiten. Die Daten werden analysiert und Nestlé stellt das personalisierte Diätprogramm zusammen. In der Theorie macht das Sinn: Jeder Mensch ist ein Individuum und so hat auch dieselbe Nahrung bei jedem andere Auswirkungen. Dank den Gesundheitsdaten, die über Apps und DNA-Analysen ermittelt werden, können Medizin und Ernährung personalisiert werden. Die Sache ist nur die: Über die Zusammenhänge ist noch zu wenig bekannt für marktreife Produkte à la Diätkapseln. Und so wäre es – nicht zuletzt auch aus Datenschutzbedenken – sinnvoll, solche sensiblen Daten vornehmlich der Forschung und nicht einem Grosskonzern zur Verfügung zu stellen.

raffael.schuppisser@azmedien.ch

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