Apropos

Die Netflix-Präsidentin

David Sieber: «Barack Obama, der Medien-Fuchs, bereitet die Rückkehr ins Weisse Haus vor.» (Archivbild)

David Sieber: «Barack Obama, der Medien-Fuchs, bereitet die Rückkehr ins Weisse Haus vor.» (Archivbild)

Barack und Michelle Obama, das frühere Präsidentenpaar der USA, werden desto schmerzlicher vermisst, je länger der nachfolgende Wüterich im Amt ist. Ihre Zeit erhält mehr und mehr Glanz, je mehr Donald Trump herumtwittert. Sie haben alles, was dem derzeitigen Amtsinhaber fehlt: Rhetorische Brillanz, hohe Integrität, Stil.

Dass in den acht Obama-Jahren längst nicht alles gelungen ist, dass in jener Zeit der Boden gelegt wurde für das, was jetzt ist. Die Vergangenheit wird im Vergleich zur tristen Gegenwart gerne glorifiziert.

Doch im Falle der Obamas liegt vielleicht genau darin deren Zukunft. Und der (offenbar lukrative) Deal mit dem Streamingdienst Netflix bereitet diese vor. 125 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sollen ab 2019 mit Reportagen versorgt werden, die nicht direkt tagespolitisch sein sollen, aber mit aller Garantie die realen Folgen der Trumpschen Politik beleuchten werden.

Das ist genial. Die Obama-Weltsicht ungefiltert auf einem Medium, das vor allem von Jüngeren konsumiert wird, als Hebel gegen das weisse Altherren-Fernsehen Fox-TV, das aus einem Paralleluniversum sendet. Barack Obama, der Medien-Fuchs, bereitet die Rückkehr ins Weisse Haus vor. Als Gatte von US-Präsidentin Michelle. Und wenns in der Realität nicht klappen sollte, dann vielleicht in einer Serie à la «House of Cards» mit umgekehrten Rollen.

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