Bern war am Samichlaus-Tag fest im Griff der Nostalgiker – wobei der bärtige alte Mann für einmal nichts damit zu tun hatte. Die SVP liess den 6. Dezember als nationales Ereignis hochleben, weil sich vor 25 Jahren die Schweizer gegen den EWR-Beitritt aussprachen. Die Volkspartei stimmte im Ratssaal die Nationalhymne an und feierte später ihren Vordenker Christoph Blocher. Dem Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri genügte dies nicht.

Er fordert nun in einem Vorstoss ein ewiges Andenken an diesen Tag. Nein, kein Blocher-Denkmal. So weit geht Müri dann doch nicht. Aber er verlangt vom Bundesrat, dass er mit der Stadt Bern über die Umbenennung einer Strasse oder eines Platzes verhandeln soll – zum «Gedenken an das bis heute nachhallende Bekenntnis zur Freiheit». Müri präsentiert eigene Ideen: Unabhängigkeitsplatz, Freiheitsstrasse, EWR-Nein-Brücke, 6. Dezember-1992-Strasse, Selbstbestimmungs-Weg.

Das öffnet Tür und Tor für allerlei Namensänderungen. So könnten die Grünen bald einen «Energiewende-Platz «fordern, die Städter einen «Zweitwohnungs-Stopp-Weg», und die Boni-Gegner könnten die Umbenennung von Schaffhausen in «Thomas-Minder-Stadt» verlangen, um des örtlichen Anti-Abzocker-Helden zu gedenken. Schlimmer noch: Weil es sich beim EWR-Nein um ein Nicht-Ereignis handelt, könnten noch absurdere Wünsche aufkommen: Ein Denkmal zum 11. März 2012, als das Volk historisch und weltweit einmalig eine sechste Ferienwoche ablehnte. Oder eine «Gripen-Nein-Allee», als die Schweiz sich vom Militär abwandte.

Hoffnung besteht, dass Felix Müris Übermut abklingt. Spätestens das Ratsplenum wird wieder Ordnung herstellen. Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben.

anna.wanner@azmedien.ch