Dschihadist

Die Todesspur der Scharfmacher

Der 24-Jährige diente der Terrormiliz IS als Bombenbauer.

Der 24-Jährige diente der Terrormiliz IS als Bombenbauer.

Ein 24-jähriger Schweizer mit türkischen Wurzeln, der in der Ostschweiz aufgewachsen ist, soll für den IS Bomben gebaut haben. Nun wurde er von irakischen Truppen gefangen genommen und zum Tode verurteilt worden.

Er war schon fast vergessen. Am Donnerstag jedoch ist der Arboner Dschihadist mit türkischen Wurzeln unverhofft wieder in den Schlagzeilen aufgetaucht. Weil der 24-jährige Schweizer anscheinend Schaltkreise für Sprengladungen für den Islamischen Staat baute, droht ihm nun die Todesstrafe durch den Strang. In einem Gefängnis in Bagdad wartet er auf seine Hinrichtung. Obeida, wie er mit Kampfnamen heisst, war nicht der Einzige, der in den Heiligen Krieg reiste. Aus der ganzen Schweiz dürften es über 100 gewesen sein. Der Fall ruft in Erinnerung, dass es gar nicht so lange her ist, dass der Islamische Staat in Teilen Iraks und Syriens Angst und Schrecken verbreitete und ein selbst ernanntes Kalifat errichtete, das auf Menschen wie den Arboner Dschihadisten eine für Aussenstehende nur schwer erklärbare Faszination ausübte. Und es auf viele Radikale noch immer tut.

Denn nur weil der Islamische Staat weitgehend zusammengebrochen ist, nur weil es schon länger keine grösseren Anschläge in Europa mehr gab, heisst das nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Was verführt junge Leute dazu, ihr sicheres Leben in der Schweiz über Bord zu werfen und sich für ein kriegerisches Unterfangen einspannen zu lassen? Oft werden sie – jung und anfällig für radikales Gedankengut – von gefährlichen Predigern um den Finger gewickelt, die Hass auf unsere Gesellschaft schüren und die ihnen das Gefühl vermitteln, Auserwählte zu sein. Aus einem perspektivenlosen wird plötzlich ein sinnerfülltes Leben mit potenziell reicher Ernte. Im Dschihad gegen Andersgläubige winkt auch ein Ticket ins Paradies. Nicht nur wegen diesem Versprechen ist die Faszination für Religionen erklärbar. Sie stiften Gemeinschaft, Identität und Halt. Sie spenden Trost in schwierigen Lebenslagen.

Der Fall des Arboner Dschihadisten zeigt aber auch, in welche Sackgasse es führt, wenn aus Religion eine radikale Ideologie wird, wenn das eigene Denken verstümmelt und stattdessen Ressentiments und Verachtung gegen Andersgläubige oder Andersdenkende geschürt werden. Egal, ob das bei ultraorthodoxen Juden, fundamentalistischen Christen oder radikalen Isla- misten passiert. Ideologische Scharfmacher tragen wenig zur Lösung heutiger globaler Probleme bei. Im Gegenteil. Auf Herausforderungen wie die wieder aufkeimende atomare Bedrohung, den Klimawandel oder den technologischen Umbruch braucht es differenzierte Antworten und mehr denn je Zusammenarbeit über Länder und Religionen hinweg. Geifernde Predigten von ideologischen Betonköpfen, deren Horizont bei der eigenen Heiligen Schrift oder an der eigenen Landesgrenze aufhört, legen nur den Nährboden für Streit und Zwietracht.

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