Der Erfolg ist gigantisch. In weniger als zwei Monaten sind für die Volksinitiative gegen Waffenexporte bereits rund 90 000 Unterschriften zusammengekommen. Einer der Gründe liegt bei Wecollect. Die Online-Plattform erleichtert es, gleichgesinnte Aktivisten zu finden, und vereinfacht damit die Unterschriftensammlung enorm. Dank dem Zugriff auf die E-Mail-Adressen von 53 000 beteiligungsfreudigen Bürgern ist Wecollect ein reales Machtinstrument geworden.

Problematisch ist, dass dieses Instrument von einer einzigen Person kontrolliert wird – und dass nicht alle politischen Strömungen gleich willkommen sind. Daniel Graf als Entwickler der Plattform schreibt Bücher über die digitale Demokratie und will dem Bürger möglichst viel politische Macht geben. Verwehrt er jedoch gleichzeitig politischen Kräften von rechts den Zutritt zu seiner Plattform, tut er gerade das Gegenteil: Er selbst entscheidet, welche Initiativen legitim sind – und nicht die Bürgerinnen und Bürger.

Dieser Widerspruch mag angesichts Grafs hehrer Worte frappant sein. Und doch ist sein Verhalten verständlich. Graf ist im linksliberalen Milieu gross geworden, er hat Hunderte von Stunden in die Plattform gesteckt und er hat nie bestritten, auch eine politische Mission zu verfolgen. Den Bürgerlichen steht es jederzeit frei, etwas Vergleichbares zu entwickeln, um parteiungebundene Bürger mit konservativem Gedankengut anzusprechen. Für die direkte Demokratie der Schweiz wäre das ein Gewinn. Etablierte politische Organisationen verlieren an Gewicht zugunsten von Bürgerkomitees. Die Politik der Schweiz, sie würde noch bürgernäher, als sie sonst schon ist.

inland@chmedia.ch