Apropos

Elektrifizierung ja, Mechanisierung?

Aus der Klampfe wurde die E-Gitarre, das mächtigste Instrument, das die Erde je erzittern liess. (Archivbild)

Aus der Klampfe wurde die E-Gitarre, das mächtigste Instrument, das die Erde je erzittern liess. (Archivbild)

Eine der berühmtesten Äusserungen von Johann Sebastian Bach entstammt seinen Erklärungen über den Generalbass. «Ursach und Endzweck der Music» dürfe immer «nur zu Gottes Ehre und Recreation des Gemüths seyn. Wo dieses nicht in Acht genommen wird, da ists keine eigentliche Music, sondern ein teuflisch Geplerr und Geleyer».

«Geleier» und «leiern» haben schon im Deutschen den schlechtestmöglichen Klang und im Berndeutschen mit «liire» wird es noch schlimmer. Dabei stammt das Wort vom griechischen «Lyra» (Leier) ab, auf diesem Instrument spielte nicht nur Orpheus, sondern auch die Götter.

Die Herabwürdigung vom Frohlocken zum Leiern verdankt das Instrument der Mechanisierung. Denn das monotone, langweilige Geleier wird von der Drehleier hervorgebracht, die mittels einer Kurbel betätigt wird. Wenn man nur zu drehen braucht, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Musikinstrumente sollten sich also vor Technisierung und Mechanisierung hüten. Eigentlich hat nur die Gitarre den Sprung über den Graben der Moderne einigermassen unbeschadet überstanden. Aus der Klampfe wurde die E-Gitarre, das mächtigste Instrument, das die Erde je erzittern liess. Und ja, das «Geplerr», das auch.

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