Bundesanwalt Michael Lauber liebt den grossen Auftritt. Zu einem solchen kam er im September 2015, als er zusammen mit US-Justizministerin Loretta Lynch in Zürich vor die Presse trat. Er sollte deutlich machen, mit wie viel Energie und Personal die Justizbehörden gemeinsam gegen die Korruption im Weltfussballverband Fifa vorgehen. Der Applaus war ihm sicher.

Bald vier Jahre später ist die Bilanz auf allen Ebenen ernüchternd. Zu Sepp Blatters ominöser Zwei-Millionen-Zahlung an Michel Platini wird schon lange ein Entscheid erwartet. Ebenso würde die Öffentlichkeit brennend interessieren, was es nun mit der unter Korruptionsverdacht stehenden WM-Vergabe 2006 an Deutschland auf sich hat. Doch die Verfahren der Bundesanwaltschaft kommen nur schleppend voran. Und nun steht Lauber seit Wochen unter Druck, weil er ein drittes Geheimtreffen mit Blatter-Nachfolger Gianni Infantino verschwiegen haben soll. Seine Wiederwahl in der Sommersession, die lange Zeit in Stein gemeisselt schien, ist wacklig. Die Parlamentarier werden zu Recht Antworten verlangen, insbesondere auf die Frage, ob der Bundesanwalt die Öffentlichkeit angelogen hat, als er sagte, er habe Fifa-Chef Infantino nur zweimal getroffen. Dass er sich nicht mehr daran erinnert, nimmt ihm keiner ab.

Vor allem untergräbt Lauber mit seinem dilettantischen Vorgehen seinen prestigeträchtigsten Fall, bei dem er mit seinen Auftritten die Erwartungen einst selber hoch geschraubt hatte. Experten sind sich sicher, dass Laubers Befangenheit in einem Prozess gegen ehemalige Fifa-Exponenten zum Thema werden könnte.

Im Fussball nennt man das ein Eigentor. Für Lauber selber, aber auch für die Reputation der obersten Schweizer Strafbehörden, die im Fifa-Fall im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit agieren, hat das möglicherweise weitreichende Folgen.