Meiereien

Frau Lüscher hat falsch gewählt

Kommenden Sonntag werden die Stimmberechtigten an die Urne gerufen. (Symbolbild)

Kommenden Sonntag werden die Stimmberechtigten an die Urne gerufen. (Symbolbild)

Frau Lüscher hat wieder angerufen. Sie habe schon vor drei Wochen ihren Wahlzettel ausgefüllt und abgeschickt, sagte sie. Doch inzwischen habe sie feststellen müssen, dass sie teilweise die falschen Personen gewählt habe. Konkrete Namen nannte sie keine.

Aber sie fragte, ob ein Rücknahmerecht für bereits abgegebene Stimmen bestehe. Wie für die auf der Kaffeefahrt gekaufte Rheumadecke. Die könne man auch innerhalb von zwei Wochen retournieren, wenn sie einem doch nicht passen sollte.

Ich fand diesen Vergleich etwas seltsam. «Leider ist das die Wahrheit», antwortete ich Frau Lüscher. «Die Decke können Sie zurückgeben, aber eine demokratisch abgegebene Stimme nicht zurücknehmen.»

Das sei jetzt aber ganz blöd, sagte Frau Lüscher. Wenn sie vor drei Wochen gewusst hätte, was sie heute wisse – sie hätte ganz anders gewählt. Es sei höchste Zeit, dass ein Rücknahmerecht für bereits abgegebene Stimmen eingeführt werde, sagte sie.

Wie sie sich denn ein solches Stimmrücknahmerecht vorstelle, fragte ich.

«Ganz einfach», sagte Frau Lüscher: «Wer seinen Wahlzettel für Korrekturen zurückhaben will, stellt schriftlich ein entsprechendes Begehren bis, sagen wir, zehn Tage vor der Wahl, und erhält dann einen neuen Wahlzettel; der alte wird vernichtet.

Das hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass die Wahlen bis zum allerletzten Moment spannend bleiben.»
Ich muss zugeben, ich war ziemlich beeindruckt.

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