Das grösste Ereignis der diesjährigen Bundesratswahl? Die Selbstverständlichkeit, mit der zwei Frauen im ersten Wahlgang und einem guten Resultat in den Bundesrat gewählt wurden. Die CVP stellte gleich zwei Frauen auf, womit sie unterstrich, dass es ihr ernst war mit einer Nachfolgerin für Doris Leuthard.

Die FDP präsentierte, wie immer in den letzten Jahren, eine Auswahl: einen Mann und eine Frau – wobei es das Geheimnis der Partei und des männlichen Kandidierenden bleiben wird, ob diese Kandidatur je ernst gemeint war oder nicht. Im Bundesrat sind die Frauen nun wieder zu dritt vertreten – endlich.

Denn bereits Elisabeth Kopp, die erste Bundesrätin, findet: Es darf einfach nie mehr passieren, dass nur eine oder zwei Frauen im Bundesrat sind. Mit anderen Worten: Es müssen mindestens drei sein. Drei Frauen, vier Männer – oder vier Frauen, drei Männer: Das muss die Normalverteilung sein.

Ein kürzlich produzierter DOK-Film von SRF über die sieben bisherigen Bundesrätinnen – ein einziges volles Gremium hätten die Frauen zusammengebracht in 170 Jahren Bundesstaat! – spricht Bände darüber, wie die Frauen diese Zeit erlebten: Sie spürten förmlich die Angst dieser Männer vor entschiedenen Frauen mit Machtanspruch. Sie spürten deren Unsicherheit vor diesen «exotischen Wesen», die sie in dieser Rolle nicht kannten – selbstverständlich waren Frauen nur zu Hause oder als adrette Begleiterin bei Anlässen. (Erst kürzlich spottete Roger Schawinski im Gespräch mit einem zurücktretenden Nationalrat, dass es ja keine Aufgabe für einen Mann sein könne, seine Frau an Anlässe zu begleiten, zu denen sie eingeladen ist!) Sie spürten die Eifersucht, wenn Frauen im Mittelpunkt und in der Öffentlichkeit standen. Sie spürten den Ärger, wenn Frauen kompetenter waren als sie.

All das musste spürbar sein, weil es die Männer schlicht gewohnt waren, die Macht gänzlich oder grossmehrheitlich unter sich aufzuteilen. Weil die Männer wissen, wie sie unter ihresgleichen funktionieren. Weil die öffentliche Funktion und Rolle bisher die ihre war. Und weil sie mit dem, was sie können (oder auch nicht), ganz selbstverständlich nach oben kommen konnten. – Die Sprachkompetenz ist vielleicht die auffälligste Differenz.

Nicht erst die neue Bundesrätin Karin Keller-Suter sticht damit hervor. Bereits Otto Stich wurde offenbar sauer, als sich bei einem Staatsempfang der Gast nur mit Bundesrätin Kopp unterhielt, weil sie eben Englisch konnte – was diese mit der selbstbewussten Bemerkung quittierte, sie sei davon ausgegangen, dass Englischkenntnisse für einen Bundesrat eine Selbstverständlichkeit sind.

Den Frauen selbst war klar: Sie mussten dossierfest sein, sie durften sich keine Blösse geben, weder sachlich noch physisch oder psychisch. Und sie erlebten umgekehrt ganz direkt, was es heisst, Gestaltungsspielraum zu haben, wenn man an der Macht ist. Macht haben heisst, etwas bewegen – oder auch verhindern – zu können.

Am aufschlussreichsten aber sind die Erkenntnisse der Bundesrätinnen, die zusammen während 14 Monaten die Mehrheit bildeten: Sie spürten unter sich das unausgesprochene Vertrauen zueinander – und darauf, dass man die Sache in den Mittelpunkt stellt, um sie kämpft und zusammen eine Lösung findet. Und sie genossen die Effizienz der Sitzungen, weil man keine Zeit mit den üblichen Hahnenkämpfen verlor (jede Frau, die in einem überwiegenden Männergremium sitzt, kann davon ein Lied singen).

In einem Land, das es mit der Gleichstellung ernst meint, muss es für die Parteien und das Parlament eine Selbstverständlichkeit sein, mindestens drei Frauen im Bundesrat zu haben. Es ist ihre Aufgabe, konstant dafür zu sorgen, dass Parlamentarierinnen potenzielle Bundesratskandidaten sind.

Deshalb ist es auch wichtig, dass sich für die Parlamentswahlen im nächsten Herbst Frauen in genügender Zahl zur Wahl stellen. Sie sollen den Mut dazu aufbringen, den Anspruch erheben und von ihren Weggefährten und -gefährtinnen in- und ausserhalb der Parteien dazu ermuntert, ja aufgefordert werden. Alliance F hat sich für die Wahlen 2019 diesem Ziel verschrieben.

Frauen in angemessener Zahl an der Macht, das darf nicht länger eine willkommene Ausnahme sein, es muss die Regel sein. Eine Selbstverständlichkeit eben.