Kommentar

Frauen sind Manns genug

Alter Kampf, neue Dynamik: Am Frauentag 2017 demonstrierten in Bern hunderte von Frauen mit pinken Protest-Mützen, den sogenannten Pussy Hats, gegen die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau. (Archiv)

Alter Kampf, neue Dynamik: Am Frauentag 2017 demonstrierten in Bern hunderte von Frauen mit pinken Protest-Mützen, den sogenannten Pussy Hats, gegen die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau. (Archiv)

Der Tag der Frau, er hält erst mal Ernüchterndes bereit: Der Frauenanteil in der Chefetage der grössten Schweizer Arbeitgeber ist gesunken. Nachdem Frauen letztes Jahr noch 21 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder ausmachten, sind es aktuell nur noch 8 Prozent. Das zeigt eine neue Studie.

Das ist ein Rückschlag nach dem Rekordstand im letzten Jahr. Eine Frauenquote muss her – heisst es einmal mehr. Ja. Eine Quote würde wohl helfen, die dringend benötigten Veränderungen im Arbeitsmarkt zugunsten von Frauen zu beschleunigen. Aber. Das Frauenproblem in der Chefetage ist nur die Spitze des Eisbergs. Gleich wie in der Teppichetage geht es vielen Frauen durch alle Hierarchien eines Unternehmens hindurch: der Wissenschaftlerin, Lehrerin, Juristin, Unternehmerin, Ärztin, Beraterin, Sozialpädagogin. Egalitäre Lohnsummen, moderne Arbeitszeitmodelle für Mütter, eine verantwortungsvolle Position sind für viele Thema.

Warum also auf die Quote warten – darauf, dass sich irgendwann ein Trickle-Down-Effekt einstellt, der bis zur Basis durchdringt. Wer von Politik und Wirtschaft Egalität zwischen Frau und Mann fordert, der verhalte sich auch egalitär. Das heisst: Hingehen und den Lohn fordern, der Frau zusteht, Arbeitsmodalitäten verhandeln, Verantwortung übernehmen. Es gibt heute keinen Grund, warum sich Frauen ihrer Egalität nicht selber ermächtigen. Jede für sich. Wirtschaft und Politik sind in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Die nötigen Prozesse müssen aber von oben und unten angestossen werden.

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