Österreichs Kanzler Werner Faymann war ein schwacher Regierungs- und ein noch schwächerer Parteichef. Nur so konnte er sich mehr als sieben Jahre lang halten. Ein starker Kanzler und erst recht ein stärkerer Parteivorsitzender hätte Regierung und SPÖ noch weit rascher zerbrechen lassen. Nur weil der verbindliche Moderator Faymann es so lange schaffte, alle Konflikte unter der Decke zu halten, hat diese Regierung bis heute Bestand.

Dass eine sozialdemokratische Partei auch nur darüber diskutiert, sich der rechtspopulistischen FPÖ an den Hals zu werfen, erklärt sich aus dieser Schwäche. Verdeckt und befördert wird sie durch eine autoritäre Struktur. Denken durfte und darf man in dieser Partei alles, nur sagen nicht. Innerparteiliche Demokratie ist unbekannt, Programmarbeit ebenso. Nachfolgefragen werden nach dem Prinzip des römischen Adoptivkaisertums gelöst: Der Monarch sucht sich einen Kronprinzen und übergibt diesem die Amtsinsignien, wenn er die Zeit für gekommen hält. Begründet wird die gespenstische Geschlossenheit nach aussen gern mit «dem Gegner», der so missgünstig und übermächtig sei. So lächerlich das auch klingt bei einer Partei, die fast immer den Kanzler und den Präsidenten stellt.

In Österreichs politisches System passt die SPÖ aber durchaus hinein. Seit 1945 wird das Land nach einem Prinzip regiert, das in Europa seinesgleichen sucht: Gerade die Parteien, die die gegensätzlichsten Interessen vertreten, haben sich die Macht gefälligst zu teilen. Die beiden Phasen in den 1970er- und den 2000er-Jahren, als SPÖ oder christlich-konservative ÖVP allein oder mit einem dritten Partner regierten, galten als anormal, ja unerhört.

Die Kooperation der Gegenspieler hat Österreich jahrzehntelang sozialen Frieden und eine einmalige Konsenskultur beschert. Zugleich hat sie die Wähler maximal entmündigt. Wen immer man wählte, regiert wurde man von der immer gleichen Grossen Koalition. Zuletzt geriet gar in Vergessenheit, wozu Parteien ursprünglich einmal gegründet wurden. Man müsse «zuhören», «auf die Wähler zugehen»: Das waren die Formeln, die in der Endphase der Ära Faymann von rechts bis links heruntergebetet wurden. Die Partei, namentlich Faymann, kam zum Wähler an den Tisch und nahm Bestellungen auf. Dass der Kanzler eigentlich selbst etwas wollen sollte, kam niemandem in den Sinn.