Die Würfel sind in Rom gefallen: Italien wird, als erstes Gründungsmitglied der EU, eine Regierung erhalten, die nur aus populistischen, europaskeptischen Parteien besteht. Eine Regierung, in der mit der Lega eine Partei vertreten ist, die mit dem Front National in Frankreich liiert ist und deren neofaschistische Tendenzen unübersehbar sind. Eine Regierung, in deren Programm Pläne enthalten sind, die – sofern sie umgesetzt werden – das Land auf direktem Weg in den Staatsbankrott führen könnten. 

Die neue Regierung ist demokratisch einwandfrei legitimiert: Die italienischen Wählerinnen und Wähler haben am 4. März unmissverständlich gegen die alten Parteien, gegen das bisherige System gestimmt. Dass die «Regierung des Wandels» mit einem Premier antritt, der in den Augen vieler Protestwähler als Jus-Professor die verhassten Bildungs- und Geldeliten verkörpert, mag widersprüchlich wirken. Aber an Widersprüche wird man sich in Italien gewöhnen müssen. 

Die italienischen Wähler hatten gute Gründe, sich von den traditionellen Parteien abzuwenden. Wenn in einem Land wie Italien immer mehr Menschen arm sind und Zukunftsängste haben, während einige wenige immer reicher werden, dann hat das System versagt. Dann haben Protestparteien und Rechtsradikale ein leichtes Spiel. Man sollte das, was jetzt in Rom passiert, besser nicht als italienische Extravaganz interpretieren, sondern – endlich – als Weckruf.