Wir alle sprechen mehr oder weniger häufig in eher mehr als weniger nichtssagenden Phrasen. «Manchmal ist weniger mehr»: Kann man bei vielen Gelegenheiten sagen, wenn man nichts zu sagen hat. «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel»: Abgedroschener gehts nicht, taugt aber bis heute, um sich als absoluter Fussballbanause am Stammtisch nicht als solcher entblössen zu müssen.

Solche Alltagsphrasen sind gesellschaftsfähig. Wir wissen um ihre Abgedroschenheit, verwenden sie aber selber ebenso, wie wir sie widerspruchslos über uns ergehen lassen. Auf höfliche Art bleibt offen, ob man es mit einem Fall von völliger Ahnungslosigkeit oder tieferer Weisheit zu tun hat.

Etwas anderes sind Worthülsen, die vorab in der Politik gezielt und schamlos zum Zweck der Irreführung, Verwedelung und Verniedlichung verwendet werden. Aus einem Defizit wird ein Aufwandüberschuss, dieses Wort muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und wenn wir schon beim Pekuniären sind: Die Geschäfte laufen nicht beschissen, die Wirtschaft durchläuft eine Phase des Negativwachstums.

Was soll das? Schlechte Nachrichten werden in Watte gepackt auch nicht besser. Und es bleibt uns sowieso nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu ertragen. Also raus damit. Der Bürger hat ein Recht darauf, zu wissen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist.