Apropos

Gut, wurden wieder die Falschen ausgezeichnet

Am Schweizer Filmpreis wurde nicht «Wolkenbruch» mit Joel Basman (Bild) zum besten Film gewählt.

Natürlich hat die Jury wieder einmal falsch entschieden: Dabei wäre es dieses Jahr so einfach gewesen. Mit «Wolkenbruch» stand eine Komödie für den Schweizer Filmpreis zur Wahl, die auch bei strengen Kritikern nicht ganz durchfiel (was ja bei einem Schweizer Film Seltenheitswert hat), die fast 300'000 Menschen ins Kino lockte und über die alle lachen konnten (abgesehen von den Juden, die nicht gern über sich selber lachen).

Die Kritiker aber ehrten den Film «Ceux qui travaillent». Noch nie gehört? Kein Wunder, den haben ja keine 5000 Zuschauer gesehen. Was für eine versnobte Kritikerhaltung! Wobei die Jury natürlich ebenso falsch liegt, wenn sie einfach im Willen des Publikums entscheidet. Dann erhalten plötzlich Rapper mit antisemitischen Texten einen Echo, den wichtigsten Deutschen Musikpreis. Was für ein Versagen!

«Schafft den Echo ab», hiess es hinterher. Und die Branche gehorchte. Was für ein Fehler! Wir vermissen den Echo ebenso wie den Literaturnobelpreis, dessen Jury die MeToo-Welle weggespült hat, und der letztes Jahr deswegen nicht vergeben worden ist. Feuilletonisten verliehen in ihren Spalten sogar «alternative Nobelpreise». Kurz: Egal, wie Juroren entscheiden, falsch ist es immer. Und das ist gut so. So bleibt die Kulturindustrie über ihre Preisverleihungen und Preisnichtverleihungen im Gespräch.

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