Geht er oder geht er nicht? Die Personalie Horst Seehofer hat die deutsche Politik in den vergangenen Wochen stark beschäftigt. Mal hiess es aus Parteikreisen, Seehofer trete bald als CSU-Chef und Innenminister zurück. Dann passierte doch nichts. Am Sonntagabend wiederholte sich das Spiel. Wieder hiess es, Seehofer trete von beiden Ämtern zurück. Am Montagmorgen dann die halbe Rolle rückwärts. Seehofer erklärte, er werde als CSU-Chef zurücktreten, aber Innenminister bleiben. Wann er den Parteivorsitz abgibt, liess der 69-Jährige offen.

Es ist ein unwürdiges Schauspiel, das die CSU und Horst Seehofer bieten. Seehofer sollte sich endlich erklären und klarmachen, was er genau tun will. Dann können die anderen Entscheidungsträger sagen, ob sie überhaupt noch mit ihm zusammenarbeiten wollen. Die Niederlage der CSU bei der Bayernwahl war krachend.

Ein Minus von 10 Prozent bei der wichtigsten Wahl. Das kann kein Parteichef überleben. Das gilt nicht nur für die CSU, sondern auch für CDU und SPD. Beide Parteien haben bei den Landtagswahlen in diesem Jahr massiv an Wähleranteil verloren. Angela Merkel ist die Einzige, die immerhin halbwegs die Konsequenzen zieht und als Parteichefin abtritt. Ansonsten scheinen in Deutschland die Zeiten vorbei, in denen Führungsfiguren in der Politik persönliche Konsequenzen aus Wahlniederlagen ziehen. Zu oft klammern sich Amtsträger an ihre Posten. Das Ego ist stärker als das Verantwortungsgefühl. Das lässt viele Wähler frustriert zurück. Denn deutlicher als mit solchen Ohrfeigen an den Urnen können sie ihre Unzufriedenheit nicht ausdrücken.

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