Kommentar

Im Kampf gegen eine zweite Coronawelle braucht es mehr Entschlossenheit – und klarere Entscheide

Nach steigenden Fallzahlen hat der Bundesrat eine Maskenpflicht im öV beschlossen.

Nach steigenden Fallzahlen hat der Bundesrat eine Maskenpflicht im öV beschlossen.

Widersprüche im Umgang mit Grossveranstaltungen und ein Quarantäne-Regime für Spanien-Rückkehrer, das Schlupflöcher aufweist: Die Schweiz versucht sich einer zweiten Ansteckungswelle mit Kompromissen entgegenzustemmen. Kann das gelingen?

Hört auf die Experten! So lautet der Imperativ zu Coronazeiten. Doch die Experten haben nie mit einer Stimme gesprochen, und sie tun es weniger denn je.

Während Dr. med. Daniel Koch, bis vor kurzem Covid-19-Delegierter des Bundes, die geltende 1000er-Grenze für Sportanlässe aufheben möchte, will Professor Martin Ackermann, Präsident der Covid-Taskforce des Bundes, diese Grenze auf 100 reduzieren. Was jetzt?

Ähnlich widersprüchlich sind die Empfehlungen beim Reisen. Die einen Experten fordern eine breitflächige Quarantänepflicht für Ferienrückkehrer verbunden mit Zwangstests am Flughafen, die anderen halten die Quarantäne für Reisende aus Risikoländern für ausreichend.

Zugeständnisse an die Reisebranche erhöhen das Ansteckungsrisiko

Diese Widersprüche machen die Arbeit für die Behörden nicht einfacher, zumal sie auch noch die Bedürfnisse der Wirtschaft berücksichtigen müssen. Die politischen Entscheide werden unklarer und ihrerseits widersprüchlich, wie das gestern verfügte Quarantäne-Regime für Rückkehrer aus Spanien.

Bund stuft das spanische Festland ab Samstag als Risikoregion ein

Bund stuft das spanische Festland ab Samstag als Risikoregion ein

Das spanische Festland befindet sich ab Samstag auf der vom Bund erstellten Liste der Corona-Risikogebiete. Personen, die von dort in die Schweiz einreisen, müssen zehn Tage in Quarantäne. Ausgenommen sind die Balearen und die Kanaren. Der Vizedirektor des Bundesamts für Justiz erklärte an der Medienkonferenz vom Mittwochnachmittag, in welchem Fall der Arbeitgeber dem sich in Quarantäne befindenden Arbeitnehmer den Lohn weiterhin zahlen muss.

Wer aus diesem Coronahotspot zurückreist, muss zehn Tage in Quarantäne. Aber erst bei Rückkehr ab Samstag – dies als Zugeständnis an die Reisebranche. Darum werden wohl heute und morgen Tausende vorzeitig aus Spanien heimkehren, um so die Quarantäne zu umgehen.

Die Schweiz steht an einem kritischen Punkt. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen nimmt zu, sie liegt nun meist nahe bei 200. Das ist nicht dramatisch, aber viel. Es muss den Bundes- und Kantonsbehörden auch ohne Notrecht gelingen, eine zweite Welle entschlossen abzuwenden. Dazu braucht es wieder mehr Klarheit.

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