Werbebranche

«Indianer und Werber kennen keinen Schmerz» – Matthias Ackeret über eine Branche in der Krise

Die Erfahrung zeigt: In Krisenzeiten spart man zuerst bei der Werbung.

Die Erfahrung zeigt: In Krisenzeiten spart man zuerst bei der Werbung.

Wie geht es den Schweizer Werbern? Und was der chinesische Künstler Ai Weiwei damit zu tun?

Es war fast ein Wink mit dem Zaunpfahl während der Pandemie. Die kreativste Schweizer Werbekampa­gne dieses Jahres ermöglichte der berühmteste chinesische Dissident überhaupt, der 62-jährige Künstler Ai Weiwei. Die Idee: ein Original-Ai-­Weiwei, erhältlich in allen Hornbach-Baumärkten und für jedermann nachbaubar. Kunst gehört dem Volk, so Ai Weiweis Devise. Die Nachfrage in den Läden war gross. Initiiert wurde das aussergewöhnliche Projekt von der Zürcher Kreativagentur Neutral, vergangene Woche erhielt sie dafür vom Kreativclub ADC zwei Goldwürfel. Die höchste Anerkennung der Branche.

Bezeichnend: Statt an einer aufwendigen Gala wurden die Preise an einem gemütlichen Hock in «Fischers Fritz» überreicht. Glamour ist momentan nicht die DNA der Werber; zu gross, zu stark sind die finanziellen Einbrüche wegen Corona. Die Erfahrung zeigt: In Krisenzeiten spart man zuerst bei der Werbung. Symptomatisch aber für den ganzen Berufsstand: Jammern gibt es nicht. So versuchte die Kommunikationsbranche, die schweizweit rund 25'000 Leute beschäftigt, nicht einmal an staatliche Gelder zu kommen. Dies im Gegensatz zu den Verlagshäusern. Doch Indianer und Werber kennen keinen Schmerz.

Ai Weiwei hat von «seinem» Doppelsieg übrigens erst nachträglich erfahren, krisengerecht per Skype. Als Protest gegen die chinesische Regierung hat er seine eigene Gesichtsmaske kreiert, eine mit ausgestrecktem Finger. Die Blanko-Masken kaufte er bei Hornbach. Sollte es zur zweiten Welle kommen, ist er damit erneut ADC-Favorit.

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