Kommentar

Keine Angst vor dem Doppeladler

Xherdan Shaqiri und seine Teamkollegen kommen in der Doppeladler-Affäre mit einer Busse davon.

Xherdan Shaqiri und seine Teamkollegen kommen in der Doppeladler-Affäre mit einer Busse davon.

Die Fifa büsst Shaqiri, Xhaka und Lichtsteiner für deren Doppeladler-Geste, sperrt sie aber nicht. «Nordwestschweiz»-Autor François Schmid-Bechtel plädiert in seinem Kommentar dafür, keine Angst vor dem Doppeladler zu haben.

Es ist richtig, dass die Fifa auf eine Sperre gegen die Schweizer Nationalspieler Shaqiri, Xhaka und Lichtsteiner verzichtet. Ganz ungeschoren kommen die drei zwar nicht davon. Für den Doppeladler-Jubel gegen Serbien müssen sie eine Busse bezahlen – was vernachlässigbar ist.

Warum ist das Urteil korrekt? Weil die Symbolik der Geste nicht zweifelsfrei eine politische Botschaft enthält. Gewiss, der Doppeladler ist das Wappentier Albaniens. Aber würden die Spieler beim Jubel mit den Fingern ein Kreuz formen, verurteilten wir die Geste auch als politisch motivierten Akt? Der Doppeladler mag uns vielleicht fremd sein. Aber zu fürchten brauchen wir uns nicht vor ihm. Er steht nicht für Ausgrenzung oder Ablehnung, sondern zeigt im Fall von Shaqiri und Xhaka lediglich die Verbundenheit mit dem Land, wo ihre Wurzeln liegen.

Zugegeben: Auch ich war irritiert, als ich erstmals Shaqiris Kickschuhe mit einem Schweizer Kreuz und einer kosovarischen Flagge sah. Identifiziert sich so einer überhaupt mit dem Schweizer Nationalteam? Kickt er einzig für die Schweiz, weil die Erfolgsaussichten grösser sind als in Albanien oder im Kosovo? Oder weil er sich in der Schweiz besser vermarkten kann?  Der Argwohn ist längst der Überzeugung gewichen, dass sich Shaqiri und Xhaka vollumfänglich mit dieser Mannschaft identifizieren.

Trotzdem bleibt Unverständnis zurück: Warum droht die Fifa, beim nächsten Doppeladler härter durchzugreifen? Kann man dieses Federviech nicht einfach in die Freiheit entlassen, wenn man anderen erlaubt, sich im Mittelkreis zum Gebet zu versammeln? Und der Schweizerische Fussballverband sollte realisieren, dass die Negation von politischen und emotionalen Aspekten nur neue Probleme schafft.

françois.schmid-bechtel@azmedien.ch

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