Kommentar

Kunde muss über Bezahlart entscheiden

Schweizer Nutzer machen erst wenig Gebrauch von mobilen Bezahlmöglichkeiten wie Twint. Die Beliebtheit solcher Apps steigt aber. (Themenbild)

Schweizer Nutzer machen erst wenig Gebrauch von mobilen Bezahlmöglichkeiten wie Twint. Die Beliebtheit solcher Apps steigt aber. (Themenbild)

Schweizer Banken sollen sich illegal gegen die Bezahl-Apps von Apple und Co. geschützt haben. Der Kommentar.

Am Zürcher Paradeplatz ist die Nervosität gross. Unternehmen aus der Tech-Branche dringen in immer kürzeren Abständen in Märkte vor, die den traditionellen Banken vorbehalten waren. Beim Zahlungsverkehr mischen Apple, Google und Co. nun in einem Bereich mit, der für die hiesigen Geldhäuser zentral ist.

Die Banken wollen dieses Geschäft nicht kampflos den Quereinsteigern überlassen. Mit ihrer regionalen Bezahllösung Twint versuchen sie, den globalen Angeboten wie Google Pay oder Apple Pay die Stirn zu bieten. Der Wettbewerb wird mit harten Bandagen geführt. Gegenseitig haben sich Banken und Tech-Firmen Steine in den Weg gelegt. Deshalb hat sich nun die Wettbewerbskommission eingeschaltet.

Noch bevorzugen Schweizer Bares. Knapp 30 Prozent entfallen auf Kartenzahlungen und nur 0,5 Prozent auf Mobile Payment. Doch das Potenzial ist riesig: In der Schweiz werden an den Ladenkassen jährlich 88 Milliarden Franken umgesetzt. Das Smartphone – so die Prognose – wird alle anderen Bezahlverfahren verdrängen.

Natürlich geht es den Banken ums Geld. Doch hinter ihrer Abwehrschlacht steckt mehr. Der Zahlungsverkehr ist für sie eine wichtige Schnittstelle zum Kunden. Apple und Google zwängen sich dazwischen. Die Gefahr, dass Banken überflüssig werden, ist real. Dennoch: Wollen sie den Kampf um den Kunden gewinnen, müssen sie mit der Einfachheit ihres Angebots überzeugen und nicht durch die Behinderung des Gegners. Denn der Kunde soll entscheiden, welches Angebot er nutzen will.

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