Es steht das Fest der Liebe vor der Tür, ich meine Weihnachten, und die eine oder andere Grusskarte muss wohl geschrieben werden. Da scheinen etliche ins Schwitzen zu geraten. Wie anfangen? Hallo? Nein, zu unpersönlich. Also Liebe, Lieber XY. Aber wie schreibt man Liebe? Libe? Liehbe? Lihbe?

Sie zweifeln jetzt an meinem Verstand? Nein, bitte tun Sie das nicht, zweifeln Sie lieber an Tausenden von Menschen in der Schweiz. Gemäss dem neusten Ranking von Google Trends ist nämlich die Frage «Wie schreibt man Liebe?» auf Platz drei der am häufigsten an Google gestellten Fragen in diesem Jahr gelandet. Jetzt können natürlich alle Hobby-Germanisten und verhinderten Lehrer ausrufen und dieses Resultat als Beweis von Schulversagen, gescheiterten Rechtschreibreformen und «Früher war alles besser»-Totschlagargumenten verwenden. Aber dadurch ist niemandem geholfen. Viele Leute scheinen nicht zu wissen, wie man Liebe schreibt.

Ich hätte eher gedacht, «Wie macht man Liebe?» wäre noch eine interessante Frage. Denn in unseren gesellschaftlichen Debatten von #metoo, Tinder bis PornHub könnte das durchaus eine Frage sein, deren Antwort viele Verunsicherte interessiert. Aber dem ist nicht so. Auf Platz zwei landete die Frage «Wie entsteht ein Hurrikan?». Das ist ja noch o. k. Noch schlimmer hingegen als die Frage mit der Liebe ist die am häufigsten gestellte Frage: Die Leute fragen Google nämlich in allem Ernst am häufigsten: «Wie geht es Dir?» Das macht mich nun wirklich sprachlos.

Riccarda Mecklenburg ist Publizistin und Inhaberin von CrowdConsul.ch. Sie wohnt in Weiningen.