Pierre Maudet ist einer der talentiertesten Politiker der Schweiz, jung, ehrgeizig, brillant, er vertritt fortschrittliche Positionen, die Wohlstand und Arbeit schaffen. Er hat zum wirtschaftlichen Erfolg des Kantons Genf beigetragen, mit seiner weltoffenen und unbürokratischen Art. Und weil er keine Berührungsängste zu vielen steinreichen Investoren und Oligarchen aus aller Welt kannte, die in Städten wie Genf viel Geld liegen lassen. Aber, was im Rausch des Erfolgs möglicherweise vergessen ging: Im Gegenzug erwarten diese Leute Gewinne, und sie geben nichts umsonst, sie verfolgen knallharte finanzielle Interessen.

Maudet tappte in die Falle, als er sich die teure Reise nach Abu Dhabi vom Kronprinzen des Emirats bezahlen liess. Besonders schwer wiegt, dass er den Fehler danach zu vertuschen suchte. Über diese Lüge wird er wohl stolpern.

Der «Fall», wenn es denn einer ist, von Pascal Broulis weist insofern eine Parallele auf: Wie Genf ist die Waadt einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Schweizer Kantone. Beide auch dank offenherzigem Umgang der Behörden mit reichen Ausländern, die Geld bringen und Arbeitsplätze schaffen. Auch der Waadtländer Finanzdirektor kam womöglich in unvorsichtige Nähe zu einem ausländischen Investor.

Politikern im ganzen Land sollte gerade der Fall Maudet ein Lehrstück sein: Es gibt nichts umsonst. Eine kritische Distanz zu Investoren und Geldgebern ist unabdingbar. Einen sorglosen Umgang mit möglichen Interessenkonflikten erträgt es nicht. Heute weniger denn je.