Rechtsstaat-Charta

Muslime sorgen endlich für Vertrauen

Muslime beim Mittagsgebet in einer Schweizer Moschee. (Archivbild)

Nach jedem islamistisch motivierten Anschlag müssen sich Muslime in Europa und in der Schweiz dieselbe unbequeme Feststellung anhören: Der Terrorist beruft sich auf den Islam, also hat die Tat irgendwas mit allen Muslimen zu tun.

Der Islam gerät auch nach jedem Skandal um fundamentalistische Handschlagverweigerer oder Eltern, die ihre Mädchen vom Schwimmunterricht fernhalten, unter Verdacht, eigentlich nicht mit hiesigen Werten vereinbar zu sein.

Diese Woche sind die Albaner mit ihrer eigenen Charta vorgeprescht und haben sich zum Rechtsstaat und zu hiesigen Werten bekannt. Und nun zeigen Recherchen, dass auch die grösste Schweizer Muslimorganisation, die Fids, bereits ein ähnliches Papier erstellt hat. Mit der Veröffentlichung wartet sie nur zu, weil sie auf offizielle Unterstützung des Bunds hofft.

Doch wozu sich zu Rechtsstaat und hiesigen Werten bekennen? Ist es für Menschen in der Schweiz nicht eine Selbstverständlichkeit, hiesige Gesetze zu befolgen? Das proaktive Vorpreschen der Schweizer Muslime ist nur vor dem Hintergrund des gewachsenen Misstrauens zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu erklären.

Deshalb ist es richtig, wenn sich die grösste Schweizer Muslimorganisation zu Rechtsstaat und hiesigen Werten bekennt. Denn je breiter abgestützt ein solches Bekenntnis ist – und das ist dasjenige der Fids mit ihren 170 Moscheevereinen in der Schweiz –, umso mehr Vertrauen lässt sich bilden. Und das ist bitter nötig in dieser Zeit des Misstrauens.

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