Mindestkurs

Nationalbank wählte den zweitbesten Weg

Die Nationalbank wagte mit der Aufhebung des Mindestkurses viel. Wie es sonst gekommen wäre, weiss man heute nicht.

Die Nationalbank wagte mit der Aufhebung des Mindestkurses viel. Wie es sonst gekommen wäre, weiss man heute nicht.

Der Euro-Franken-Kurs ist wieder dort, wo ihn vor drei Jahren die Nationalbank hingezwungen hatte. Die Fortsetzung des Mindestkurses wäre die beste Option gewesen, schreibt Wirtschaftsredaktor Daniel Zulauf.

In diesen Tagen hat sich der Euro-Franken-Kurs ganz allein wieder dahin bewegt, wo ihm die Nationalbank (SNB) bis zum 15. Januar 2015 eine Grenze gesetzt hatte. War es ein Fehler, das Mindestkurs-Regime aufzugeben? Dieser Gedanke drängt sich auf, zumal mit Blick auf die turbulenten Ereignisse in den Wochen vor und in den Monaten und Jahren nach dem abrupten Kurswechsel.

Es liesse sich in der Tat argumentieren, die Schweiz hätte auf das Ganze verzichten können. Mindestens 20'000 industrielle Arbeitsplätze dürften im Zug der Aufwertung des Frankens verloren gegangen sein. Und trotzdem musste die SNB weiter Euros kaufen, um eine noch schlimmere Überbewertung des Frankens abzuwenden. Also Folge davon sind die Devisenbestände der Nationalbank um 280 Milliarden Franken gestiegen. Eine Liquiditätsexplosion, die niemand wollte und die ein erhebliches Schadenpotenzial birgt.

Doch wer heute behauptet, man hätte es damals besser wissen müssen, kann auch nicht belegen, wie die Sache herausgekommen wäre, wenn die SNB den Mindestkurs verteidigt hätte.

SNB wählte zweitbesten Weg

Man vergisst gerne, dass der politische Konsens für den Mindestkurs in der Schweiz immer fragil war. Nur sechs Wochen vor dessen Aufhebung waren die Bürgerinnen und Bürger zur Abstimmung über die Gold-Initiative aufgerufen. Diese verlangte eine Aufstockung der Gold-Aktiva in der Notenbank-Bilanz und hätte der Nationalbank in Sachen Mindestkurs sogleich das Handwerk gelegt.

Ironischerweise sind es diese Währungspatrioten, die heute am lautestesten über die heillos aufgeblasene Notenbank-Bilanz klagen und den Teufel einer künftigen Inflation an die Wand malen, von der bis heute freilich weit und breit nichts zu sehen ist. Die Fortsetzung des Mindestkurs-Regimes wäre gewiss der beste Weg gewesen.

Die Nationalbank wählte die zweitbeste Variante und liess dem Franken mehr, aber nicht die ganze Freiheit. Deshalb reden wir jetzt über den Preis einer eigenständigen Geldpolitik. Aber darüber lohnt es sich erst nachzudenken, wenn man den heiligen Franken und den teuflischen Euro nicht mehr als Dogma sieht.

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