Die Familie Federer baut sich an den Gestaden des Zürichsees in Rapperswil-Jona ein neues Heim. Ein Verein, der sich für öffentliche Zugänge zu Gewässern einsetzt, fordert nun: Roger, lass dem Volk einen Uferstreifen! Es gibt Gründe, die gegen diese Forderung sprechen.

Zum Beispiel der, dass die Grundstücke links und rechts bebaut sind, die Bevölkerung sich also nur über einen isolierten Seezugang freuen könnte. Die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter wählt eine andere Argumentationslinie. Man solle doch dem Federer und seiner Familie den Platz am See lassen. Der Tennisspieler habe sich das verdient, denn er sei ein «unbezahlbarer Botschafter der Schweiz».

Wir fragen uns: Ein Botschafter wofür genau? Dafür, dass man 20 Jahre im Licht der Öffentlichkeit stehen kann, ohne je etwas Interessantes zu sagen? Dafür, dass es auch Schweizer gibt, die besser Englisch sprechen als Ueli Maurer? Und: Wer gehört sonst noch zum Kreis der «unbezahlbaren Botschafter», die offenbar Anrecht auf eine Vorzugsbehandlung haben?

Sonderrechte sind im Einzelfall angebracht. Etwa im Fall des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Als sich dieser einst im rauchfreien Zug eine Kippe ansteckte und eine Dame wetterte, ihr würde man das sicher nicht durchgehen lassen, da sagte die Zugbegleiterin völlig zu Recht: «Sie haben auch nicht so viel für Ihr Land geleistet.» Roger Federer ist (noch) nicht Helmut Schmidt.