Kommentar

Novartis prescht vor – KMU haben das Nachsehen

Der Pharmariese orientiert sich im Kampf um Arbeitskräfte am Silicon Valley. (Archiv)

Der Pharmariese orientiert sich im Kampf um Arbeitskräfte am Silicon Valley. (Archiv)

14 Wochen Papizeit: Pharmariese Novartis wird der grosszügigste Arbeitgeber für frischgebackene Väter. Der Kommentar.

Es ist ein Coup: Novartis führt weltweit einen Vaterschaftsurlaub von 14 Wochen ein. Das ist der neue Spitzenwert in der Schweiz. Der Vaterschaftsurlaub wird zu einem wichtigen Argument, um gute Leute anzuziehen. Wie die Pensionskassenleistungen oder die Boni. Junge Väter wollen nicht einfach Samenspender und Financier sein, sondern dabei sein, wenn ihr Kind geboren wird. Die Firmen reagieren auf diese gesellschaftliche Entwicklung.

Die grosszügigsten Arbeitgeber sind Novartis und Google. Für diese finanzstarken Konzerne ist es ein Leichtes, sich bei Jungvätern spendabel zu zeigen. Kleinere und mittlere Unternehmen sind indes nicht in der Lage, in dieser Liga mitzuspielen, weil sie Absenzen kaum kompensieren und noch weniger finanzieren können. Die Diskrepanz zwischen den global orientierten Konzernen und dem binnenorientierten Gewerbe wird grösser. Deshalb braucht es einen Vaterschaftsurlaub, der über die Erwerbsersatzordnung finanziert wird. Der Vorschlag der Ständeratskommission für einen Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen ist ein guter Mittelweg.

Noch besser wäre allerdings ein Elternurlaub von rund 20 Wochen, den sich Vater und Mutter paritätisch aufteilen können. Denn ein staatlich finanzierter Vaterschaftsurlaub soll kein Selbst- zweck sein, sondern ein Mittel für mehr Gleichberechtigung. Ein Vaterschaftsurlaub allein ist nämlich kein Garant dafür, dass sich Väter stärker an der Kinderbetreuung beteiligen. Flexible Arbeitszeitmodelle und ausserfamiliäre Kinderbetreuungsangebote bleiben der Schlüssel für mehr Gleichberechtigung.

doris.kleck@chmedia.ch

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