Mit ihrem Rücktritt hinterlässt SP-Ständerätin Géraldine Savary gleich mehrere Lücken in der Partei: Ihr Rücktritt verschärft das Frauenproblem im Stöckli. In Savary sahen aber auch viele eine ideale Bundesrätin. Ihre Karriere war bereits aufgegleist: An schweizweiter Bekanntheit hätte sie mit dem Ständeratspräsidium 2020 gewonnen – wie einst Alain Berset, und wie im Moment Karin Keller-Sutter. Das prestigeträchtige Amt ist ein veritables Sprungbrett, wenn es von Partei und Politikern auch so genutzt wird.

Wer darf nun Savary beerben? Die Auswahl beschränkt sich auf fünf Kandidaten. Von den zwölf SP-Ständeräten treten sechs sicher zurück, der Jurassier Claude Hêche hat die kleine Kammer bereits präsidiert. Von den übrigen fünf muss einer passen: Als SP-Chef muss sich Christian Levrat aktiv zu aktuellen Politikthemen äussern können, was sich für das Amt des Ständeratspräsidenten nicht geziemt. Bleiben noch vier. Wobei sowohl der Solothurner Roberto Zanetti wie auch der Berner Hans Stöckli mit einem Rückzug aus der Politik liebäugeln. Was wiederum SP-Präsident Levrat Kopfzerbrechen bereitet, weil seiner Partei ohnehin Sitzverluste drohen.

Entscheidet sich die Wahl also zwischen dem abtretenden Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner (SG) und Rechtsprofessor Daniel Jositsch (SP)? Grundsätzlich benötigen beide das Scheinwerferlicht nicht. Es ist also fraglich, ob sie den Posten überhaupt wollen. Zudem haben beide ein Handicap: Rechsteiner, weil er wie die aktuelle Präsidentin Karin Keller-Sutter aus dem Kanton St. Gallen kommt. Jositsch, weil er als Vertreter des rechten Parteiflügels intern einen schweren Stand hat. Als Sprungbrett kann die SP das zu vergebende Präsidium diesmal also nicht nutzen. Als Zückerchen könnte es aber dienlich sein: Wenn die Aussicht auf das prestigeträchtige Amt Stöckli oder Zanetti dazu bringt, doch nochmals anzutreten.