Kommentar

Senioren sollen wegen Corona-Lockdown ein Solidaritätsprozent beisteuern

Den Preis für die Corona-Hilfsmilliarden werden die Erwerbstätigen bezahlen. Die Senioren könnten allerdings ebenfalls einen Beitrag leisten.

Den Preis für die Corona-Hilfsmilliarden werden die Erwerbstätigen bezahlen. Die Senioren könnten allerdings ebenfalls einen Beitrag leisten.

Der Bund wirft mit Milliarden um sich, um die Coronakrise abzufedern. Doch wer bezahlt die Rechnung? Die Frage muss insbesondere auch der Hauptrisikogruppe gestellt werden. Der Kommentar.

Die Wetterprognosen: Angesagt sind strahlender Sonnenschein und 20 Grad – bis auf weiteres. Wenn da nur das schlechte Gewissen nicht wäre: Man sollte – wenn irgendwie möglich – zu Hause bleiben. Was für einer Geduldsprobe wir da ausgesetzt werden!

Gleichzeitig wird der wirtschaftliche Schaden, den der Pandemie-bedingte Lockdown verursacht, jeden Tag grösser. Der Bundesrat sah sich gestern gezwungen, die Notkredite von 20 auf 40 Milliarden zu verdoppeln.

Politische Projekte wie etwa ein Vaterschaftsurlaub, der ein Bruchteil dieser Ausgaben verschlingen täte, wurden stets mit dem Argument bekämpft, das sei zu teuer. Zu teuer? Es wird auch hier eine Zeitrechnung nach Corona geben.

Fakt ist: Der wirtschaftliche Stillstand verursacht immense Kosten. Wie hoch diese am Ende ausfallen werden, das kann derzeit niemand vorhersagen. Schätzungen gehen in der Schweiz von monatlich rund 16 Milliarden Franken aus, die flöten gehen.

Primär hängt die Schadensbilanz natürlich von der Dauer des Ereignisses ab. Können nach dem 19. April wieder einige Geschäfte öffnen, lässt sich das Martyrium limitieren. Dauert es länger, kommt es für viele Menschen und Firmen in diesem Land (und weltweit) knüppeldick.

Die Frage also stellt sich je länger, desto dringender:

Die Nationalbank, fordert der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann aus seinem Walliser Hotelrefugium heraus, da diese auf rund 700 Milliarden Franken Devisenreserven sitze.

Die Idee ist nicht abwegig. Versuche, die Reserven der Nationalbank zu sozialpolitischen Zwecken anzuzapfen, gab und gibt es aus verschiedenen Lagern immer wieder. Das Problem dabei: Die Nationalbank ist unabhängig. Ihr oberstes Ziel ist gemäss Verfassung die Preisstabilität. Auf die Schnelle kann da kein Geld mit dem Helikopter über das geschundene Land verteilt werden.

Gefragt sind also weitere Ideen: Es ist sicher nobel, wenn Politiker wie der Thurgauer SVP-Nationalrat und Gartenbauunternehmer Manuel Strupler öffentlich dazu aufrufen, ein Prozent des Lohnes zu spenden. Doch damit ist es angesichts der Dimensionen auch nicht getan. Wir kommen um die Debatte nicht umhin, wer diese Milliarden, die Ueli Maurer jetzt so grosszügig verteilt, in erster Linie zu stemmen hat.

Angesichts der Tatsache, dass das Virus primär ältere Semester bedroht, darf die Frage nicht tabuisiert werden, ob es nicht opportun wäre, just die AHV-Generation mit einer Solidaritätsabgabe in die finanzpolitische Verantwortung zu nehmen – selbstverständlich abgestuft nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

Die Zeche dieser Krise bezahlen nämlich die Erwerbstätigen – sie gehen in Kurzarbeit, sie verlieren ihre Jobs, sie kämpfen in manchen Fällen um die nackte Existenz. Während Renten und AHV-Beiträge vom Staat garantiert sind, brechen den Jungen Arbeitsplätze und Perspektiven weg. Das sind jene Generationen, die mit ihren Löhnen angesichts zu hoher Rentenversprechen in der zweiten Säule bereits seit Jahren die älteren Semester quersubventionieren. Die Umverteilung von jung zu alt wird mit Corona weiter akzentuiert. Das muss korrigiert werden.

Noch steht unser Leben praktisch still. Es ist jetzt Zeit, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die am meisten betroffene Altersgruppe möglichst umfassend zu schützen, indem wir alle zu Hause bleiben. Doch sie wird kommen, die Zeit des Ausgleichs und der Entschädigung. Die Erwerbstätigen werden sich zu Recht daran erinnern, wer ökonomisch am meisten unter dem Lockdown gelitten hat.

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