Diese "Medien" entrichten dann etwa Grüsse an die noch lebenden Angehörigen: «Jack, dein Daddy lässt ausrichten, es gehe ihm gut im Himmel.» Die «Talks» der Privatsender quellen über davon. Erste Schaumspritzer der Welle erreichten natürlich bereits Europa und die Schweiz. In den USA nennt man jene Leute, die Seelen auffinden, ansprechen, Seelen beflüstern können, «Psychics».

Haben «Psychics» Nerven, sprechen sie Tote unvorbereitet an. Sie fragen zum Beispiel das TV-Publikum: «Hat irgendjemand unter Euch eine jüngst verstorbene Mom mit einem Buchstaben wie S im Namen, R, T, U oder A?» – «Ja», sagt natürlich sofort jemand, «Alicia!» – «Genau», fährt das Medium fort und spekuliert eiskalt weiter: «Alicia sagt, sie habe manchmal Schmerzen gehabt, ist das richtig?» Das nennt man auf Amerikanisch «Cold Reading» (kaltes Lesen). Im Gegensatz zum «Hot Reading», dem heissen Lesen. «Heiss» bereiten sich Medien auf Auftritte vor mit etwas weniger Zufallsstreuung. Sie googeln die Leute, mit denen sie es voraussichtlich zu tun haben, und verblüffen durch präzise Infos.

Wenn ich diese Totenbeschwörungen gleichzeitig «heiss» und «kalt» lese, dann erkenne ich nur eines: Es ist infam. Es ist ein Quatsch und Quark sondergleichen.