Die bösen Verluste hat sich die CSU selbst zuzuschreiben. Die Partei legte in der Migrationspolitik einen Zickzack-Kurs hin, versuchte zeitweilig, die AfD rhetorisch rechts zu überholen. Jene, die zur AfD abgewandert waren, liessen sich nicht mehr zurückholen. Dafür gingen genervte Gemässigte in grosser Zahl ins Lager der Grünen, den eigentlichen Wahlsiegern. Auch haben die Streitereien in der Bundesregierung nach Bayern ausgestrahlt. Stets war CSU-Chef Horst Seehofer mittendrin, wenn sie in Berlin gezofft haben.

Indes: Bayern wird nun auch von der Normalität eingeholt. Volksparteien büssen generell an Wählergunst ein, die Alleinherrschaft einer einzelnen Partei dürfte nun auch in Bayern Tempi passati sein. Das hat mit der Individualisierung der Gesellschaft zu tun, auch mit der Transformation Bayerns vom Agrar- zum Technologiestandort. Das wirtschaftlich erfolgreiche Bundesland zieht Menschen an, welche die CSU-Zugehörigkeit nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Die nun aufkommende Unruhe in der CSU wird wohl auch die Bundesregierung treffen. Jene in der CSU, die als Ursache für die Verluste Merkels Flüchtlingspolitik sehen, dürften den Konflikt zwischen der CSU und der CDU um den Kurs der Unionsparteien aufs Neue befeuern. Und der unter Druck geratene Innenminister Horst Seehofer könnte für Kanzlerin Merkel noch unberechenbarer werden.

Gefährlich werden könnte ihr auch die SPD: Diese verliert deutlich, bundesweit rutscht sie hinter Grüne und AfD auf Platz vier. Die Gruppe jener Genossen, die einen Neustart in der Opposition suchen, wird mit jeder Niederlage grösser.