Die Verhaftung der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou ist ein Schock für China. Eine chinesische Staatszeitung schrieb von einer «Kriegserklärung»; die chinesische Botschaft in Kanada sprach von einem «schweren Verstoss gegen die Menschenrechte».

Huawei ist nicht irgendein chinesisches Unternehmen: Es ist der zweitgrösste Handyhersteller der Welt und mit seiner Netzwerkinfrastruktursparte einer der wichtigsten Lieferanten von Basistechnologie für das Internet. Huawei gilt als das Schlüsselunternehmen schlechthin, um China zu einer Wirtschaftssupermacht zu machen.

Der kometenhafte Aufstieg des Unternehmens weckt Ängste. Konkurrenzfirmen beklagen die zum Teil tiefen Preise, die Huawei bieten kann. Sie hegen den Verdacht, dass die Expansion des Unternehmens mit Staatsgeldern finanziert wird. Schwerer wiegt freilich der Verdacht, dass Huawei eine gigantische Spionageeinheit des chinesischen Militärs ist. Für die Vorwürfe gibt es bis heute nicht den geringsten Beweis. Trotzdem gibt es immer mehr Staaten, die Huawei von der Lieferantenliste streichen.

Die USA haben mit der Festnahme der Tochter des Firmengründers zweifellos eine Linie überschritten. Es geht um mehr als nur um die Verhängung immer neuer Handelszölle. Mit der Verhaftung der prominenten Geschäftsfrau fügen die Amerikaner den Chinesen den grösstmöglichen Schaden zu: den totalen Gesichtsverlust. Die Börsen haben heftig auf die Verhaftung reagiert. Die Aktien von chinesischen und amerikanischen Technologiefirmen sind gefallen. Aus dem Zollstreit scheint ein echter Handelskrieg zu werden.