Wird die Schweiz einmal mehr zum gallischen Dorf, zum Hort des Widerstands? Während die EU den biometrischen Personalausweis einführen will, sollen in der Schweiz weiterhin Identitätskarten ohne Chip mit gespeicherten Fingerabdrücken und digitalen Porträtbildern zugelassen werden. Dass der Bund eine Lanze für die Privatsphäre der Bürger bricht, ist gut. Es handelt sich allerdings um einen symbolischen Akt. Denn längst besitzen auch Schweizer einen biometrischen Reisepass – und sollte die EU die biometrische ID für Schengen-Staaten zur Pflicht machen, bliebe der Schweiz nichts übrig als mitzuziehen.

Ohnehin schreitet auch hierzulande die biometrische Kontrolle voran: Am Flughafen Zürich fertigen bereits Roboter mit Algorithmen zur Gesichtserkennung die Einreisenden ab. Und Smartphone-Nutzer vertrauen vermehrt dieser Technologie, um ihre Geräte mittels Fingerabdruck oder Iris-Scann zu entsperren. Vor allem aber: Mit der Ausweisdatenbank des Bundes wären die Voraussetzungen geschaffen, um auch die Bürger in der Schweiz mittels Gesichtserkennung und Kameras zu observieren, wie das in anderen Ländern bereits der Fall ist. Nicht nur in China, wo ganze Städte auf diese Weise überwacht werden; ein Pilotprojekt wird derzeit auch etwa in Berlin durchgeführt.

Wenn die Schweiz also zum Hort des Widerstands werden will, dann nicht, wenn sie sich der biometrischen ID verweigert. Sondern wenn sie dafür sorgt, dass die darauf gespeicherten Daten für nichts anderes als die Grenzkontrolle genutzt werden.