Nur zweimal verlor der FCB unter Fischer während der gesamten letzten Saison. Ein Wert, den Wicky schon nach sieben Runden egalisiert hat. Zuletzt verlor er am Samstag vor eigenem Publikum gegen den Tabellenletzten aus Lausanne, ein kriselndes Team, das in Basel noch
nicht einmal ein gutes Spiel zeigte.

Das geschah unter Fischer nie. Die zwei Pleiten erlitt er gegen YB, den ärgsten Konkurrenten in heimischen Gefilden. Gegen Lausanne siegte Basel unter ihm viermal. Durchaus glücklich. Denn drei der vier Partien drehte der FCB nach einem anfänglichen Rückstand erst in den Schlussminuten zu seinen Gunsten. Genau umgekehrt läuft es unter Wicky. Zwar geht der Serienmeister verdient in Führung, aber dann gibt er diese viel zu leicht wieder her. Nach dem Spiel herrscht Krisenstimmung. Seit einem Monat ist der FCB in der Meisterschaft sieglos, denn auch gegen Sion und Lugano in den Runden zuvor reichte es den Baslern nur zu einem Unentschieden. Wie waren das doch schöne Zeiten unter Fischer, als man sich nur über die misslungenen Auftritte in der Champions League zu enervieren brauchte.

Keine Sternstunden in der Champions League

Die Sternstunden unter Fischer blieben aus. Auch weil er Pech hatte. Vor allem gegen Paris. Im Hinspiel, in dem der FCB den Scheichklub zu Beginn regelrecht vorführte, aber nur das Gehäuse traf und letztlich 0:3 verlor. Im Rückspiel im Joggeli könnte Marc Janko kurz vor Schluss zum 2:1 einnetzen. Er setzt den Ball neben das Gehäuse und Basel kassiert in den Schlusssekunden das Tor zum 1:2. Gegen Arsenal war man zweimal chancenlos. Und gegen den bulgarischen Meister Ludogorets Rasgrad zu harmlos. Es ist auch diese durchzogene Bilanz, die Fischer zum Verhängnis wurde.

Urs Fischer musste gehen, weil man beim FCB einen Neuanfang wollte

Urs Fischer musste gehen, weil man beim FCB einen Neuanfang wollte

Denn in der Schweiz war der FCB selten so dominant wie unter dem Zürcher Fischer. Er ging mit dem Double – und musste trotzdem seine Sachen packen. Weil man einen klaren Neuanfang wollte. Mit neuer Führung, neuer Strategie und neuem Trainer. Mehr Jugend, mehr Eigengewächse, mehr Spektakel und Unterhaltung. Bis jetzt ist der FCB diesbezüglich vieles schuldig geblieben. Umso mehr steht er nun im Fokus.

Auch weil Sportchef Marco Streller im «Sonntagsblick» vom «Achtelfinal» in der Königsklasse spricht. Und das just am Tag nach der Heimpleite gegen Lausanne. Logisch, das Interview wurde vor der Partie geführt. Unglücklich ist es trotzdem.

Die Alarmglocken beim FCB sind längst am Läuten

Auf der Reise nach Manchester deutet Streller an, dass man auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv werde, einen physisch starken Spieler für die Offensive suche. Einen, der den Ball halten kann. Es ist ein Zeichen, dass beim FCB die Alarmglocken längst am Läuten sind.
Es muss etwas geschehen, um dem Teufelskreis aus Niederlagen und schrumpfendem Selbstvertrauen zu entrinnen. Und den Trainer jetzt schon infrage zu stellen, wäre verfrüht. Auch wenn Wicky mit sehr ähnlichem Personal wie Fischer viel schwächer in die Saison startete.

Und so steht Wicky vor dem heutigen Champions-League-Auftakt schon ordentlich unter Druck. Sicher, einen Sieg darf man nicht erwarten. Aber eine Reaktion, eine deutliche Reaktion im Vergleich zu den letzten Auftritten. Sonst wird alles, was da noch kommt, zur grossen Prüfung. Selbst oder insbesondere auch das Cupspiel gegen Chiasso kommenden Sonntag. Dann spielt es nicht mehr eine grosse Rolle, dass die Ausgangslage für Basel in der Champions League diese Saison eigentlich sehr gut wäre. Viel besser als unter Fischer. Denn Benfica und ZSKA Moskau sind zwar gute Mannschaften, aber nicht auf derselben Höhe wie PSG und Arsenal. Eine Achtelfinal-Qualifikation ist nicht einfach Träumerei. Aber wenn sich die Krise in den Köpfen festfrisst, dann wird auch das Spiel in Chiasso zur Zitterpartie.