Ein Facebook-Video spielte mir «7 Gründe, warum es besser ist, eine Frau zu sein» zu. «Danke Mama, du bist meine Superheldin» postete eine Facebook-Bekanntschaft. Auf Facebook wird heute, am internationalen Tag der Frau, protestiert, beklagt, gefordert, gefeiert. Zu viel des Pinken? Nein!

Denn: Gerade die Reaktionen auf den Weltfrauentag zeigen, wie sehr Handlungsbedarf darin besteht, weiter konsequent gegen die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu kämpfen. Auszumachen an folgenden Punkten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  •  Wir brauchen keinen Kampf der Geschlechter!

    Denn Frauen sind nicht besser als Männer. Einen Wettkampf heraufzubeschwören, der das weibliche Geschlecht als das eigentlich stärkere darstellt, bringt keine gesellschaftlichen Verbesserungen – sondern vergrössert stattdessen den Graben, den wir doch eigentlich zu überbrücken versuchen.

  • Berichterstattung ist schön und gut – aber bitte nicht nur am 8. März!

    Aspekte des Kampfes um Chancengleichheit, über die es sich zu berichten lohnt? Ungezählt. Keine Zeitung, kein Onlineportal, ja (fast) kein Facebook-Freund und keine Facebook-Freundin, der oder die zum heutigen Weltfrauentag nichts beizutragen wusste. Warum alles an einem Tag rausschleudern – und die Diskussion nicht auch den Rest des Jahres befeuern?

  • Chancengleichheit setzt Taten voraus – und nicht nur (digitale) Bekenntnisse!

    Heute schon einen Anti-Sexismus-Post geliked, aber über das Outfit deiner Bürokollegin gelästert?

  • Nicht nur vor fremden Haustüren kehren!

    Sexismus, Gender-Bashing, Chauvinismus: Das begehen nur die die Rechten, die Ungebildeten, die Rüpel – die anderen eben. Jeder Post auf Facebook ist für uns «Guten» ein kleiner Befreiungsschlag, ein Statement fürs Wohlgefühl, erst noch gratis. Doch die Schweiz fiel im Ranking der Geschlechter-Gleichstellung im letzten Jahr weiter zurück. Vielleicht gehörst ja auch du zu den « anderen» – oder ich, oder sie?

  • Wieso pink – und wieso strickend? Bitte verständlich!

    Während mir die grellen, selbst gestrickten «Pussyhats» aus den Sozialen Medien entgegenspringen, frage ich mich: Wieso pink? Und wieso gestrickt? Die Farbe «typisch feminin» und die Tätigkeit (Stricken) «typisch weiblich» – erschliesst sich nur mir nicht, wieso man diese Klischees zum Kampf gegen Klischees ausgräbt? Die Forderungen, mit denen wir in den Kampf für mehr Gleichberechtigung ziehen, sollten für alle klar verständlich sein, auch ihre Symbole.

Und hier noch – zum Mitlachen oder -weinen, je nach Laune – die plattesten Weltfrauentag-Facebook-Posts, die heute meine Timeline durchliefen:

  • «Eine Frau braucht keinen Weltfrauentag, sondern einen Mann an ihrer Seite, der ihr jeden Tag zeigt, dass sie etwas ganz Besonderes ist.»
  • «Frauen haben einfach ein viel realistischeres Verhältnis zu der Grössenangabe ‚20 Zentimenter‘.»
  • «Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Und eine Frau sagt ihm, was das ist.»
  • «Ich gratuliere meiner Frau zum Weltfrauentag.»
  • «Zum internationalen Frauentag schenken wir dir 0,40 Euro beim Kauf einer Gesichtsmaske.»
  • «Was ist das Komplizierteste an der Gleichberechtigung? Die Frauen!»
  • «Frauen würde ihre Fehler schon zugeben – wenn sie welche hätten.»
  • «Morgen beginnt wieder das Weltmännerjahr.»