Als Hirnverbrannte hat eine geschätzte Kollegin am Freitag an dieser Stelle Menschen bezeichnet, die bei der aktuellen Sommerhitze mittags joggen gehen. Und gefragt: Müssen sich diese Menschen etwas beweisen?

Ich frage mich: Spricht daraus vielleicht auch etwas Neid? Neid darüber, dass wir Mittagsjogger uns nicht vom Sport abhalten lassen, bloss weil das Thermometer ein paar Grad mehr anzeigt? Ausreden sind ja bekanntlich schnell gefunden: Zu heiss, zu kalt, zu müde, gestern zu lange weg, heute zu viel zu tun … Und um die Eingangsfrage zu beantworten: Wir müssen uns nichts beweisen. Wir müssen rennen.

Rennen ist für uns ein Grundbedürfnis, wie essen und schlafen. Ohne geht es nicht. Wir tun uns damit etwas Gutes. Und ein bisschen tun wir es auch für Sie, liebe Leserin, lieber Leser. Denn so manch ein geistreicher Artikel, den Sie in dieser Zeitung lesen, nimmt seinen Anfang beim mittäglichen Joggen – hier fliessen die Gedanken und die Gespräche freier als in den gekühlten Redaktionsräumen.

Selbstverständlich wurden auch diese Zeilen gedanklich beim Joggen vorformuliert. Dass daraus bloss ein kleines «Apropos» und keine vielschichtige Story geworden ist … nun, das liegt vielleicht wirklich an der Hitze.