Europäischer Gerichtshof

Wegweisendes Gentechnik-Urteil: «Wir können nicht zurück. Es gibt nur vorwärts»

Gentechnisch verändertes Essen ist vorerst vom Tisch. (Symbolbild)

Gentechnisch verändertes Essen ist vorerst vom Tisch. (Symbolbild)

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat ein Urteil gefällt, das nichts Neues bringt und trotzdem wegweisend ist. Eigentlich geht es um die Etikettierung von Lebensmitteln, aber der Entscheid hat weitreichende Folgen. Weiterhin müssen alle Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Substanzen enthalten, auch als solche angeschrieben werden (mit «GVO»). Dagegen ist nichts einzuwenden, der Konsument soll wissen, was er isst. Für die Schweiz gilt bis 2021 ein Moratorium, gentechnisch veränderte Pflanzen dürfen nur zu Versuchszwecken angebaut werden. Aber die Schweiz hätte sich bei einer Änderung wohl der EU anpassen müssen.

Der EuGH musste sich deshalb mit dem Problem befassen, weil angeführt wurde, die Methode mit der sogenannten Genschere Crispr/Cas 9 lasse derart subtile Veränderungen des Erbguts zu, dass die Unterschiede gegenüber herkömmlicher Züchtung kaum mehr erkennbar seien. Diese Auffassung lehnt der EuGH ab: Gentechnik bleibt Gentechnik.

Man hätte sich mindestens eine Differenzierung gewünscht. Resistentere Pflanzensorten lassen sich mit Crispr leichter, schneller und gezielter herstellen als durch Züchtung. Das heisst: markant weniger Agrochemie. Die Bedenken, solche Organismen liessen sich nicht mehr «zurückholen», greifen etwas kurz. Lässt sich die Chemie «zurückholen»? Wir reden uns ein, die Technik hätte uns noch «Natur» gelassen, so als Rückzugsgebiet. Das ist nicht so. Wir können nicht zurück. Es gibt nur vorwärts. Das muss deswegen nicht blind und grobfahrlässig unvorsichtig sein.

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