Manchmal gipfelt ein Trennungsstreit in einem erbitterten Kampf um die Obhut über die Kinder. Bei zerrütteten Ehen zwischen Schweizern und Ausländern gipfelt der Streit manchmal in Entführungen: Wer die Obhut nicht erhält, betreibt Selbstjustiz – und bringt seine Kinder von der Schweiz in seine ursprüngliche Heimat.

Eine Entführung kommt selten aus dem Nichts. Der Bund rät Vätern und Müttern, die sich vor solch einem Szenario fürchten, zu diversen Vorsichtsmassnahmen. So können besorgte Elternteile etwa das eingeschränkte Besuchsrecht erkämpfen oder die Kontrolle über die Reisepässe sichern.

Neu sollen Kinder präventiv in der Schengener Datenbank SIS eingetragen werden können, wenn der begründete Verdacht einer Verschleppung durch den eigenen Vater oder durch die eigene Mutter besteht. Mit diesem Schritt schliesst der Bund eine wichtige Sicherheitslücke.

Wenn jemand mit seinem Kind den Schengenraum verlassen wird, leuchtet dessen Name im SIS auf – egal, von welchem EU-Land aus die Abreise erfolgt. So werden Täter gebremst. Der Bundesrat hat einen wichtigen Schritt getan, Entführungen zumindest zu erschweren. Die neue Regel ist umso bedeutender, als viele Nicht-Schengen-Staaten das Haager Abkommen nicht unterzeichnet haben, welches die Rückführung entführter Kinder regelt.

Einen wasserdichten Schutzwall stellt die Datenbank SIS indes nicht dar. Gerissene Entführer werden die Kontrolle an der Schengenaussengrenze zu umgehen wissen. Es wird weiter zu Dramen um Kinder kommen. Aber vielleicht zu ein paar weniger.