Mark Zuckerberg will mit Facebook eine Art Bitcoin für uns Normalos lancieren. Libra heisst die neue Weltwährung, die das Fundament eines «Internet des Geldes» bilden soll. Das Problem dabei: Geld ist national – und wird es auch bleiben.

Die gängige Vorstellung von Geld sieht in etwa wie folgt aus: Irgendwann haben die Menschen gemerkt, dass es schwierig ist, Güter zu tauschen. Wie viel ist eine halbe Kuh wert? Zwei Paar Schuhe und ein Hemd. Entsprechen zwei Hühner drei Flaschen Wein? Kurz: Sogenannte Bartergeschäfte sind extrem unpraktisch und nur in Ausnahmefällen möglich. Mit Geld geht alles viel einfacher. Geld ist das Schmiermittel der Wirtschaft.

Weil es auf dem Erdball die verschiedensten Währungen gibt, kommt es jedoch selbst beim Geld zu Reibungsverlusten. Das wird uns jeweils schmerzlich bewusst, wenn wir in den Ferien unsere hart verdienten Schweizer Franken gegen türkische Lira oder thailändische Baht eintauschen. Stets knöpfen uns jeweils Banken oder Wechselstuben dafür einen happigen Obolus ab.

Mit Libra soll dies alles besser werden. Zuckerberg will das riesige Netz von Facebook dazu nutzen, eine Weltwährung zu lancieren. Das geht in etwa wie folgt: Libra ist eine Pseudo-Blockchain-basierte Währung, deren Wert an mehrere Währungen gebunden ist. Sie wird von einem Verein namens Libra herausgegeben, in dem neben der Facebook-Tochter Calibra namhafte Vertreter wie Visa, Mastercard und Paypal vertreten sind.

Jedes Vereinsmitglied muss mindestens zehn Millionen Dollar einschiessen. Dieses Kapital wird in einen Korb von soliden Vermögenswerten investiert. So soll die Stabilität von Libra gesichert werden. Der Nutzer erhält Libra gegen Cash. Er kann die neue Währung ohne Reibungsverluste mit einer App in Echtzeit rund um den Globus schicken und wieder umtauschen.

Technisch ist ein solches «Internet des Geldes» machbar. In China wickeln Alipay und Wechat auf diese Art heute schon jährliche Transaktionen in der Höhe von rund 15 Billionen Dollar ab. Warum also sollte das bei uns nicht möglich sein? Alipay und Wechat operieren unter der Kontrolle der chinesischen Nationalbank. Es handelt sich also nicht um eine Weltwährung, sondern um eine Optimierung eines nationalen Zahlungsverkehrs. Das ist ein entscheidender Unterschied, wie ein kurzer Exkurs in unser Bankensystem aufzeigt.

Unsere Wirtschaft ist auf Kredit angewiesen. Diesen Kredit erhält sie dank eines Wechselspiels von Zentralbanken und privaten Banken. Die Zentralbanken können sogenanntes Fiat Money schöpfen, Geld aus der Luft kreieren. Die privaten Banken erteilen Kredite, die nur mit einem Bruchteil an Reserven bei den Zentralbanken gesichert sind. Streng genommen haben wir somit zwei verschiedene Arten von Geld: das Aussengeld der Zentralbanken und das Innengeld der privaten Banken.

Für Otto Normalverbraucher ist dieser Unterschied irrelevant, eine Hunderternote ist eine Hunderternote. Für die Wirtschaft hingegen ist er entscheidend. Die Zentralbanken steuern über ihr Aussengeld die Kreditvergabe der privaten Banken. Damit nehmen sie einen entscheidenden Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen.

Nur dank der Geldpolitik der Zentralbanken konnte 2008 eine Depression vermieden werden. Nur mit Negativzinsen konnte die Schweizerische Nationalbank eine für die Wirtschaft schmerzhafte Aufwertung des Frankens verhindern.

Geldpolitik ist ein Privileg der Nationalbanken. Werden unterschiedlich entwickelte Wirtschaftsräume unter ein supranationales Joch gezwungen, kommt es nicht gut. Das hat der Euro einmal mehr gezeigt. Die Eurokrise ist nach wie vor nicht gelöst.

Kryptowährungs-Nerds betrachten Geld als reines Tauschmittel. Dass mittels der Kreditvergabe und der Geldpolitik auch die Wirtschaft gelenkt wird, übersehen sie. Sie wollen daher die Banken, und vor allem die Zentralbanken, komplett ausschalten und das Finanzsystem allein dem Markt überlassen. Auch Zuckerberg hegt diese Illusion. Dazu kann man einzig sagen: Viel Glück, wenn es zur nächsten schweren Rezession kommt.