In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Frau, die im Rollstuhl sitzt. Sie ist ein liebenswerter Mensch und es tut mir weh, wenn sie durch die äusseren Umstände eingeschränkt wird. Konsequenterweise sollte ich fordern, dass der Kanton unabhängig von Kosten und Aufwand alle Tramhaltestellen behindertengerecht umbaut, sodass meine Bekannte überall die Möglichkeit hat, autonom einzusteigen. Ich wäre nicht allein mit der Forderung: Auch das Gleichstellungsgesetz für Behinderte verlangt diese Massnahme. «Das Gesetz setzt Rahmenbedingungen, die es Menschen mit Behinderungen erleichtern, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen», steht darin. Ein Satz, den niemand ernsthaft infrage stellen kann.

Wenn der Kanton aber tatsächlich auf Teufel komm raus alle Tramhaltestellen in Basel-Stadt dahingehend umbauen will, dass Rollstuhlfahrer überall autonom einsteigen können, muss er einen sehr grossen Batzen in die Hand nehmen. Die Verlegung einer Haltestelle ist schnell sehr teuer. Im Baudepartment heisst es, man sei bemüht, möglichst viele Haltestellen behindertengerecht zu gestalten. Das ist begrüssenswert, sollte aber mit Augenmass geschehen. Es macht nicht überall Sinn, eine Haltestelle zu verlegen, bloss damit die behindertengerechte Zugänglichkeit über die ganze Tramlänge gewährleistet ist. Behinderten ist genauso gedient, wenn sie an manchen Orten nur vorn einsteigen können. Am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können sie trotzdem. Wichtiger wäre die Haltung der Gesellschaft. Die wäre gratis – und für die Betroffenen mindestens so wichtig wie durchgehende Einsteigemöglichkeiten.