Auf dem Rosental-Areal soll ein neues zahnmedizinisches Zentrum entstehen, unter dessen Dach die Universitären Zahnkliniken und die Basler Schul- und Volkszahnklinik räumlich und organisatorisch vereint sind. Dazu braucht es eine Gesetzesänderung: Die Schul- und Volkszahnklinik wird aus der kantonalen Verwaltung ausgelagert. Gegen den Beschluss des Grossen Rates vom letzten September haben SP, Basta, Grüne, JUSO, das junge grüne Bündnis und die Gewerkschaft VPOD erfolgreich das Referendum ergriffen. Am 8. März entscheiden die Stimmberechtigten.

Die Vorteile sehen alle, die Nachteile nur die Linke

Über die Vorteile der räumlichen Konzentration sind sich alle einig: Die Räume der Universitären Zahnkliniken und die Öffentlichen Zahnkliniken sind veraltet. Die Uni baut auf dem Campus Rosenthal sowieso. Für den Kanton ist dies – gerade weil er Geldsorgen hat – eine gute Gelegenheit, einzuziehen. Der Kern des neuen Gesetzes, die Auslagerung der sozialen Zahnmedizin in eine öffentlich-rechtliche Anstalt, scheidet die Befürworter und Gegner entlang der traditionellen Argumentationslinie zwischen Links und Rechts. Für die Auslagerung sind LDP, GLP, FDP, SVP, Jungfreisinn, die Basler Sektion der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft, die Handelskammer und der Gewerbeverband: Die neue öffentlich-rechtliche Anstalt bringe Synergien, eine moderne Infrastruktur, eine bessere Behandlung durch die Nähe zu Lehre und Forschung und sichere eine bezahlbare Zahnmedizin für alle.

Nicht denkbar ist die Auslagerung für die geschlossene Linke. Die Schul- und die Volkszahnklinik sind aus ihrer Sicht unantastbar. Eingeführt wurden die öffentlichen Zahnkliniken in den 1920er-Jahren um auch den Armen die Behandlung ihrer maroden Zähne zu ermöglichen. Die Gegner befürchten, die neue Klinik würde rein wirtschaftlichen Interessen folgen und die Behandlung der finanziell schwächeren Patienten würde vernachlässigt. Zudem führe die Auslagerung zu schlechteren Anstellungsbedingungen für das Personal und es resultiere ein Demokratieverlust, das Parlament könne nicht mehr mitreden. Darum schlagen die Gegner vor, die Schul- und Volkszahnklinik nur räumlich mit den Universitären Zahnkliniken zusammen zu legen und die Zusammenarbeit über Verträge zu regeln.

Teilweise verständliche
Bedenken ohne echten Grund

Die Bedenken sind alte Bekannte und mit Blick auf andere ausgelagerte Betriebe wie den Basler Verkehrs-Betrieben bis zu einem gewissen Mass nachvollziehbar. Allerdings erinnert die Argumentation auch an die Auslagerung der öffentlichen Spitäler. Bis zum Ermüden wurde mit dem Dienstleistungsabbau und blutigen Entlassungen als Schreckszenario gedroht. Eingetroffen ist nichts dergleichen. Kommt hinzu: Die soziale Zahnmedizin ist in Basel im Gesundheitsgesetz verankert. So ist gewährleistet, dass sich Familien und Einzelpersonen mit kleinen Einkommen den teuren Gang zum Zahnarzt leisten können. Das ist wichtig, weil die Krankenversicherer die Zahnarztkosten nicht übernehmen. An diesem Gesetz wird die Abstimmung am 8. März nichts ändern. Und der Vorschlag, die Zusammenarbeit der Unizahnkliniken mit dem Kanton vertraglich zu regeln, ist wenig realistisch: Der Kanton hat keinen Einfluss auf die Universitäre Zahnmedizin und die Universität hat kaum Interesse, an einem alltagsuntauglichen Vertrag mit dem Kanton.

Darum überwiegen bei der aktuellen Vorlage für ein Universitäres Zentrum für Zahnmedizin die Vorteile für die Patienten, den Kanton und die Universität: Mit einem Ja wird es möglich, dass im Zentrum vom Kleinkind bis zum Senior Patienten der sozialen Zahnmedizin nach dem aktuellsten Wissensstand behandelt werden. Junge Zahnärztinnen und Zahnärzte haben in der Ausbildung schon früh Kontakt mit der sozialen Zahnpflege. Die Forschung profitiert von den höheren Patientenzahlen. Und der Kanton spart das Geld für die Renovation der öffentlichen Zahnkliniken.