Sommerloch. PolitikerInnen (und Teilzeitkolumnistinnen...) halten leicht verzweifelt Ausschau nach Themen, am besten natürlich nach saftigen «Aufregern». Möchte man doch die Volksseele stets am Köcheln halten - und das nicht nur wegen des heissen Basler Sommers. Da ortet man das berühmte Fleisch am Knochen schon mal beim Gemüse, beziehungsweise bei dem, was an einem Workshop der Gender Studies der Universität Basel offenbar Anstössiges daraus gebastelt werden soll. Die als Rohmaterial dienenden Gurken stiessen gerade zwei vorstossenden PolitikerInnen im Basler Grossen Rat wie auch im Baselbieter Landrat sauer auf - eine Versinnbildlichung des Begriffes «Saure Gurken- Zeit»?

Ebenfalls hauptsächlich um Gemüse dreht sich der anrollende Wahlkampf in unserem nördlichen Nachbarland. Dieser Eindruck entsteht zumindest aufgrund der Recherche der Kolumnistin im Social-Media-Netz Twitter - speziell in der nie um einen launigen Tweet verlegenen, nach «Mutti» Merkels legendärem Internet-Ausspruch benannten Gruppe #Neuland. Es erhitzen sich dabei die (witterungsverweichlichten?) Gemüter weniger am Gemüse selber als am ausschliesslichen Verzehr desselben, der an einem Wochentag in deutschen Kantinen gemäss Grünen-Vorschlag «aufgetischt» werden soll.

Die Idee eines solchen «Veggie-Day» an der Uni-Mensa führte auch in Basel zu heissen Diskussionen. Selbst der Grosse Rat diskutierte ausgesprochen hitzig über die Thematik. Dabei kann die Tatsache, dass der globale Fleischkonsum zu hoch ist, nicht wirklich bestritten werden. Ein «Veggie-Tag» würde das Problem sicher noch nicht lösen, aber ein sympathisches symbolisches Zeichen setzen - und vielleicht zum Umdenken anregen. Indes: manch einer wittert (und twittert) schröckliche «staatliche Bevormundung».

Um - beziehungsweise gegen - vermeintliche staatliche Bevormundung geht es auch den wackeren Kämpfern des Vereins «Fümoar». Die hier nicht nur kochende, sondern geradezu qualmende Vereinsseele will sich keinesfalls mit dem in Basel schon zwei Mal vom Stimmvolk befürworteten sogenannten «Rauchverbot» abfinden. Dabei geht es bei nüchterner Betrachtung bei dieser Regelung ganz einfach um Nichtraucherschutz, der in doch ausgedehnteren Sphären der Erdoberfläche bereits ziemlich selbstverständlich geworden ist. (Gemäss einem kürzlichen Augenschein der Kolumnistin sogar weitgehend auf den Kapverden). Als Raucherin (!) gehe ich gerne nach draussen, um eine zu paffen. Ja, ich bin froh um die gute Luft drinnen im Restaurant. An die ich mich so gewöhnt habe, dass ich kürzlich auf dem Flughafen in der Raucherlounge einen Erstickungsanfall erlitt.

Beim Erscheinen dieser Kolumne dauert der wunderbare Basler Sommer hoffentlich noch lange an. Und wir sind erleichtert zu vernehmen, dass bei uns, anders als in Bremgarten, auch Asylsuchende in der Badi und natürlich auch im herrlichen Rhein planschen dürfen. Das Sommerloch dagegen wird sich nach den Schulferien rasch füllen. Zahlreiche wichtige Volksabstimmungen und Vorlagen im Parlament stehen an. Mehr dazu demnächst auf diesem Kanal.