Kommentar

Eine teure Lehrstunde für die Stadt Basel

Hinterhof und Nordstern müssen Ende Jahr schliessen.

Hinterhof und Nordstern müssen Ende Jahr schliessen.

Die Aushängeschilder Nordstern und Hinterhof verschwinden und Basel verkommt zu einer Schlafstadt. Der Aufschrei in der Kulturszene und der Politik kommt zu spät für die beiden Clubs - hoffentlich nicht für Basel selbst.

Endlich. Endlich wurde die Basler Kulturszene geweckt. Endlich wird verstanden, wie schlecht es um das Basler Nachtleben steht. Seit dem Bericht der bz vom Samstag haben sich diverse Stellen zu Wort gemeldet.

Der Rockförderverein (RFV) hat noch am selben Tag ein Communiqué mit dem Titel «Basel, schläfst du schon?» veröffentlicht und damit einen Nerv getroffen. Denn spätestens, wenn im Laufe des nächsten Jahres die Garage, die Lady Bar, der Hinterhof und der Nordstern schliessen müssen, verkommt Basel tatsächlich zu der Schlafstadt, als die es seit langem verschrien wird. Mit dem Nordstern und dem Hinterhof hatte es wenigstens noch zwei Aushängeschilder.

Wie gewichtig das Thema ist, zeigt auch die Tatsache, dass es in der Agenda der Politik Aufnahme fand. Die Jungliberalen etwa fordern via Mitteilung ein radikales Umdenken der Öffentlichkeit und der Behörden. Es brauche mehr Toleranz bezüglich Lärmemissionen und Bewilligungen. Schliesslich wolle man einen attraktiven Standort, wolle Zürich übertrumpfen und international sein. Mit den Schliessungen entwickelt sich Basel jedoch in die Gegenrichtung. Dass immer wieder kulturelle Institutionen – und dazu zählen Clubs – nicht überleben, entspreche nicht dem Volkswillen.

Dies zeigt auch eine am Samstag ins Leben gerufene Facebook-Gruppe mit dem Namen «Für ein junges, lebendiges Basel», die in kürzester Zeit fast 4000 Mitglieder gewinnen konnte. Und dass die Kulturszene Basels ihre Lektion gelernt hat, zeigen die Pläne des baselstädtischen Kulturchefs Philippe Bischoff. Den Preis für die – zu – späte Einsicht zahlen die genannten Clubs.

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