Zu gut, um wahr zu sein: Die linksdominierte Basler Regierung hilft dem SP-losen, bürgerlichen Baselbieter Regierungsrat finanziell aus der Patsche und hebt damit gleichzeitig eine neue Direktform des interkantonalen Finanzausgleichs aus der Taufe. Dies als Überraschungscoup, nur einen Tag nach dem Beschluss für eine generelle Lohnkürzung beim Baselbieter Staatspersonal. Kein Wunder, feierte nach der Ankündigung am Freitagmorgen der Sauglattismus in den sozialen Medien fröhliche Urständ und liefen die Twitterer und sonstige Kommentatoren (mit meist negativem Grundton) zur Höchstform auf.

Was inmitten der Aufregung um Schlagworte wie «Nötigung», «Erpressung» und «Almosen» unbestreitbar bleibt: Dem Baselbiet würde mit dieser Vereinbarung zu einer Verschnaufpause inmitten der Sparhysterie verholfen, die im hochsensiblen Kultur- und Hochschulbereich vor weiteren Schnellschüssen mit vielleicht unabsehbaren Folgen bewahren kann. Das, und nicht mehr.

Die strukturellen Probleme bleiben allesamt ungelöst und müssen von Baselland selbst aus der Welt geschafft werden. Der grösste Fehler wäre jetzt, durch den gewährten zeitlichen Aufschub wieder in den alten Trott der Selbstüberschätzung zu verfallen. Anderseits verbaut die Millionenhilfe aus Basel realpolitisch keinen einzigen Lösungsweg, obschon es natürlich schon sehr seltsam wäre, wenn nach vier Jahren der Basler Unterstützung das Baselbiet 2019 beim Uni- und Kulturvertrag wieder in den alten aggressiven Duktus zurückfiele.

Das wird für die Baselbieter Politik nicht zuletzt eine moralische Herausforderung darstellen. Viel wichtiger aber als falscher Stolz ist folgende Erkenntnis: Seit der Ablehnung der Fusionsprüfung vor einem Jahr und der Ankündigung der gemeinsamen Spitalgruppe Ende Juni war der gestrige Gesamtauftritt der beiden Regierungen erst die zweite ergebnisorientierte und breit wahrgenommene Handlung zur Vertiefung der gemeinsamen Partnerschaft.

Dabei wurde gerade im Baselbiet vor und nach der Abstimmung die vertiefte Partnerschaft als neues Allheilmittel propagiert. Fast alles, was seit dem 28. September 2014 aus Baselland gekommen ist, hat stattdessen der weiteren Abschottung gedient. Das wiederum wurde gerade in Zeiten des Wahlkampfs in der Stadt genüsslich zur Blossstellung des Landkantons ausgeweidet.

Vor lauter Polemik links und rechts des Stadt-Land-Grabens wusste man zwischendurch nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Und nun dieser unerwartete, kreative Lösungsvorschlag in den beiden heikelsten, da emotional überladenen Partnerschaftsgeschäften überhaupt. Wenig überraschend also, dass sich gestern die Berufsbaselbieter und Berufsbasler vor den Kopf gestossen fühlten und eher hilflos gegen die «Entwicklungshilfe BL» wetterten.

Geht es um den Betrag, um die 20 Millionen pro Jahr bis 2019? Nein! Geht es darum, dass sich der arme Schlucker Baselland nun gegenüber dem reichen Bruder Basel-Stadt erpressbar macht? Natürlich nicht! Hat Baselland gar vor den Basler Novartis- und Roche-Millionen kapituliert? Völliger Blödsinn! Wie weiland Bill Clintons Wahlkampfstratege den Slogan «It’s the economy, stupid» prägte, möchte man den isolationistischen Kreisen am liebsten «Es ist die Zusammenarbeit, Dummkopf!» zurufen, um auf den Kern des gestern Vorgefallenen aufmerksam zu machen.

Das weitere Schicksal um die Basler Finanzspritze wird ein gültiger Gradmesser dafür sein, ob die «vertiefte Partnerschaft» nicht doch nur eine unernste Schutzbehauptung zur leichteren Ablehnung der Fusionsprüfung gewesen ist. Wenn die Vereinbarung nachträglich politisch versenkt wird, was für die Parlamente sowohl in Basel-Stadt wie in Baselland ein Leichtes wäre, dann wird auch dem Allerletzten klar werden müssen, dass es bei Univertrag und Kulturpauschale nie um konstruktive Lösungen, sondern vor allem um Kraftmeierei und Egoismen entlang der Kantonsgrenze gegangen ist.