Das wird wieder ein Gezeter geben: Basel leidet am Einkaufstourismus und jetzt wird auch noch das öV-Angebot nach Weil am Rhein verbessert. Ich höre bereits viele Detailhändler und Politiker klagen, dass der Kanton sein eigenes Grab schaufle und dies auch noch selbst bezahle.

Die vielen Einkaufstouristen im Raum Basel sind dabei nicht auf das Tram zurückzuführen, sondern auf den günstigen Eurokurs und den Entscheid der Nationalbank, den Kurs von 1.20 Franken nicht mehr zu stützen. Ich bin überzeugt: Die Einkaufstouristen würden auch ohne Tram nach Deutschland fahren – oder eben, wie früher, über die Brücke beim Hiltalinger Zoll spazieren.

Laut Günther Merz, Manager des Rheincenters in Weil Friedlingen, kommen vermehrt Kunden aus dem Aargau mit dem Zug nach Basel und steigen beim Bahnhof SBB in das Tram um. Wenn sie das Auto zu Hause lassen, ist das umso besser für Basel. Interessant wäre es zu beobachten, ob das bessere Tramangebot ab Dezember Auswirkungen auf die Auslastung des Parkhauses im Rheincenter haben wird. Wenn vermehrt Einkaufstouristen mit dem Tram statt des Autos nach Weil am Rhein fahren, wäre das eine gute Nachricht.

Viele öV-Nutzer im Kleinbasel werden aufatmen und die Taktverdichtung begrüssen: Endlich haben sie wieder mehr Platz im Tram zwischen Claraplatz und Kleinhüningen. Auch für die Grenzgänger wird es einfacher, mit dem Tram nach Hause zu fahren. Die Tramverlängerung ist ein Erfolg und sie zum Sündenbock für den Einkaufstourismus zu machen, ist hochgradig unfair.