An Europas Grenzen herrschen Zustände, die einen um Worte ringen lassen. Und längst nicht mehr nur dort. In Budapest wurde gestern der Bahnhof gesperrt, um Flüchtlinge daran zu hindern, weiterzureisen. In München und Wien kommen Flüchtlinge zu Tausenden an, und der Strom schwillt weiter an und zieht immer weiter ins Herz Europas hinein. Dort liegt bekanntlich die Schweiz. Dass sich Basel mit einem Containerdorf auf die Ankunft von Flüchtlingen vorbereitet, ergibt also Sinn.

Was absolut keinen Sinn ergibt, ist der Zeithorizont, den sich die Verwaltung gesetzt hat. Im Herbst 2016 sollen die Container zur Verfügung stehen. Das sei rechtzeitig, sehe man sich die Prognosen des Bundes und die momentane Verfügbarkeit der Unterkünfte an, die dannzumal wegfallen werden.

Mit Verlaub: Das liegt irgendwo zwischen blauäugig und grobfahrlässig. Keine Prognose der Welt hat vorausgesagt, wie gross der Leidensdruck in der Levante werden würde. In Syrien und seinen Nachbarstaaten sind 12 Millionen Menschen entwurzelt und können jeden Tag beschliessen, sich auf den Weg in eine sicherere Gegend zu machen. Da helfen 80 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge, die in einem Jahr zur Verfügung stehen, wenig bis nichts. Dass es in Basel in dieser Lage ein Jahr dauern soll, ein paar Container aufzustellen, wenn es das Leutschenbach in zwei Monaten schafft, ist einfach nur inakzeptabel.