Vermutlich war es kein Scherz, als ein FDP-Politiker an der Oberwiler Gemeindeversammlung beantragte, für das 40 Jahre alte Hallenbad einen Käufer zu suchen. Die liberalen Privatisierungsgrundsätze in Ehren, aber da müsste ein Investor schon nicht ganz richtig im Kopf sein, um das stark defizitäre, etwas düstere 25-Meter-Bad zu übernehmen. Findige Gemeindeangestellte haben herausgefunden, dass die Eintrittspreise glatt verdoppelt und den Schwimmvereinen vier- bis fünfmal so hohe Belegungsgebühren in Rechnung gestellt werden müssten, um nur schon einen Selbstfinanzierungsgrad von 75 Prozent hinzukriegen. Nein, Oberwil wird sein Hüslimatt-Bad entweder dichtmachen oder einen anderen Budgetposten kürzen müssen, um das beabsichtigte Sparziel zu erreichen.

Natürlich begeht jeder Gemeindepräsident politischen Selbstmord, sollte er einem Hallenbad tatsächlich das Wasser ablassen. Denn die Badeanstalten sind in der Bevölkerung beliebt. An Wochenenden lässt sich die pro Besucher frei durchschwimmbare Wasserfläche in Quadratzentimetern messen. Dazu kommt, dass die örtlichen Schwimmvereine bestens verankert und rasch mobilisierbar sind, um an den Gemeindeversammlungen jedes missliebige Budget zu Fall zu bringen. Bisherige Schliessungsverlautbarungen in Binningen und Birsfelden dienten lediglich dazu, der Bevölkerung den Ernst der finanziellen Lage klarzumachen und die allgemeine Sparbereitschaft zu aktivieren – was gemessen am jeweiligen Aufschrei gut funktioniert hat.

Elende Betriebskosten

Und doch lässt sich bei aller Beliebtheit keines der biederen, in die Jahre gekommenen Gemeinde-Hallenbäder kostendeckend betreiben. Zu hoch sind die Energie-, Betriebs- und Unterhaltskosten und zu wenig zahlungskräftig die primär aus Schul-, Vereins-, Kurs- und Muki-Schwimmern zusammengesetzte Kundschaft. Rund eine Million pro Jahr schiesst Binningen ins Spiegelfeldbad ein, Liestal ins Gitterli immerhin 520 000 Franken. Wenn heute jemand im Hallenbad-Business Geld verdienen will, dann muss er mit Erlebnis- und Wellness-Tempeln à la Aquabasilea oder Sole Uno klotzen.

Dabei wäre der Bau eines neuen öffentlichen Hallenbads nicht einmal das grösste Problem. Eine einmalige Investition in zweistelliger Millionenhöhe liesse sich mancherorts zu Niedrigstzinsen sonderfinanzieren. Aber neue Fixkosten will sich kein öffentlicher Haushalt mehr aufbürden. Diese Erfahrung mussten sogar die Lobbyisten des 50-Meter-Olympiabades machen, die wegen der Frage der ungedeckten Betriebskosten seit Jahren nicht vom Fleck kommen. Selbst der mit Lotteriegeldern gespeiste Swisslos-Sportfonds lässt sich zwar für Bau- und Sanierungsprojekte anzapfen – wodurch Gelterkinden sein asbestverseuchtes Hallenbad ersetzen kann –, schliesst aber wohlweislich Zuschüsse an den Betrieb aus. Was also können die neun Baselbieter Hallenbad-Gemeinden tun, um sich ihrer in den 60er- und 70er-Boomjahren aufgebürdeten nassen Kostengräber zu entledigen?

Die kürzlich diskutierte Idee einer bevorzugten Abgeltung durch den Finanzausgleich schafft bloss bei anderen Ausgabenposten gleiche Begehrlichkeiten. Genauso unrealistisch ist eine Übernahme der Bäder durch den Kanton. Gemeinsame Trägerschaften durch mehrere Gemeinden setzen voraus, dass Nachbardörfer freiwillig den schwarzen Peter ziehen. Was also wird passieren mit den geliebten Hallenbädern? Vermutlich nur dies: Die Standortgemeinden werden diese finanziell durchseuchen – solange es eben geht. Und dann wird doch irgendwann einmal die letzte Badestunde schlagen. Spätestens dann stehen private Investoren bereit: Aber nicht, um eine der alten Betonleichen weiterzuführen, sondern um neue Luxus-Badetempel wie in Pratteln und Rheinfelden zu errichten.