Kommentar

Joggelihalle: «Good News» reibt sich die Hände

Das neue Foyer der Joggelihalle.

Das neue Foyer der Joggelihalle.

Die St. Jakobshalle soll auf 12'000 Plätze erweitert werden - für mindestens 107 Millionen Franken. Damit will Basel Zürich Konkurrenz machen und bittet den Steuerzahler zur Kasse. Doch von der Investition profitiert vor allem Veranstalter Good News.

Zugegeben: Die Aussicht ist verlockend. Wenn schon der Neubau der Basler Joggelihalle nicht zu haben ist, dann wenigstens eine Modernisierung und Erweiterung auf 12'000 Plätze. Diese würde Giovanni Panozzos kultigen Betonsporttempel von 1975 auf Augenhöhe mit dem Zürcher Hallenstadion katapultieren. Dafür will die Basler Regierung gerne mindestens 107 Millionen Franken investieren. Also rund 20 Millionen Franken mehr als die ursprünglich vorgesehenen 86 Millionen; allfällige Kostenüberschreitungen in der Umbauphase noch nicht eingerechnet.

Dass die Halle umfassend erneuert und vor allem für Grossveranstalter moderner und zweckmässiger ausgestattet werden muss, steht ausser Frage. Muss aber auch die Kapazität um einen Drittel vergrössert werden? Daran bestehen doch erhebliche Zweifel. Der Rückblick auf die jüngste Hallengeschichte beweist: Ausser an den Swiss Indoors war die Joggelihalle auf den Zuschauerplätzen nie ganz voll, geschweige denn bei Konzerten und sonstigen kommerziellen Veranstaltungen ausverkauft. Szenekenner sehen die Joggelihalle vor allem im Event- und Musik-Markt für Anlässe mit 2000 bis 6000 Zuschauern. Selbst das Hallenstadion ist nur bei Top-Acts wie Lady Gaga oder den Toten Hosen ausverkauft.

Dass der Platzhirsch unter den Konzertveranstaltern, die Zürcher Agentur Good News, trotzdem die Basler Erweiterungspläne beklatscht, ist leicht erklärbar: Im knüppelharten Event-Business würde sie dadurch die Möglichkeit erhalten, im Feilschen um die besten Konditionen Zürich und Basel gnadenlos gegeneinander auszuspielen. Ähnliches hat Basel ja schon früher im europäischen Wettstreit um TV-Grossproduktionen wie «Wetten, dass ...?» und «Musikantenstadl» erlebt. Kommerziellen Anbietern wie Good News käme es noch so gelegen, wenn die Stadt Basel mit Steuergeldern die fürs Geschäft lästige Monopolstellung des Zürcher Hallenstadions aufbrechen würde.

Es wird dem Basler Parlament vorbehalten bleiben, den endgültigen Entscheid über die Grössenordnung der Hallensanierung zu fällen. Der Grosse Rat muss sich dabei bewusst sein, dass die Erweiterung auf 12'000 Plätze nicht automatisch für mehr Top-Veranstaltungen und volle Ränge sorgen wird. Die Räte sollten darum zuerst von der Regierung einen Bedürfnisnachweis und realistischen Businessplan verlangen, ob die Sanierungsmehrkosten nicht bloss mit höheren Defiziten bei den jährlichen Betriebskosten einhergehen werden.

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