Mein Leben im Dreiland

Die Sommerferien sind bald vorbei

Willkommen zurück. Die Sommerferien sind leider vorbei.

Willkommen zurück. Die Sommerferien sind leider vorbei.

Es ist typisch Dreiland: In beiden Basel freuen sich die Schulkinder schon bald wieder auf die Herbstferien, während im Elsass erst die Schule wieder begonnen hat und in Baden-Württemberg die Kinder noch in den Ferien sind.

In Deutschland bemüht man sich seit Jahren, die Zeitspanne der Sommerferien in den verschiedenen Bundesländern zu entzerren. Die Ziele sind, der Tourismuswirtschaft entgegenzukommen und den Ferienverkehr möglichst nicht zur gleichen Zeit auf den Autobahnen, in den Zügen und Flugzeugen zu haben. Da Baden-Württemberg und Bayern aber darauf bestehen, mit ihren Ferien erst Ende Juli zu beginnen, bleiben so doch drei Wochen, die ganz Deutschland gemeinsam Ferien hat. 2015 hatte vom 29. Juni bis zum 14. September immer ein Bundesland Sommerferien. Das war eine Zeitspanne von 78 Tagen, angestrebt werden für 2018 90 Tage – ob das wirklich klappt, ist offen.

In Frankreich hat der Schulanfang nach den Sommerferien sogar einen bestimmten Namen. Jeder nennt das «La Rentrée». Den Ausdruck gibt es übrigens auch für den «Rentrée politique» oder den «Rentrée littéraire», wenn nach der zwei Monate langen Sommerpause, die früher sogar zehn Wochen dauerte, auch das politische und literarische, sprich kulturelle Leben wieder beginnt. Den Versuch mit dem Entzerren haben auch die Franzosen gemacht. Das Land ist in die Zonen A, B und C aufgeteilt, in denen es zum Beispiel verschiedene Osterferien gibt; «La Rentrée» aber ist nach dem Sommer überall gleich.

Ich habe viele Jahre im französischen Huningue direkt gegenüber der Primarschule gewohnt und in schöner Regelmässigkeit vergessen, dass viele Elsässer Eltern ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen und auch wieder abholen. «La Rentrée» hiess dann für mich auch, zu bestimmten Zeiten in eine mit Autos verstopfte Strasse zu fahren und natürlich keinen Parkplatz vor dem Haus, wo ich wohnte, zu bekommen. Heute freue ich mich, dass ich von unliebsamen Überraschungen wie der geschlossenen Patisserie oder den Sommerferien der Reinigung verschont bleibe, wenn «La Rentrée» war.

Im August hat übrigens sogar die Autowerkstatt, in der ich in Huningue meinen PW gekauft habe und ihn manchmal noch in den Service bringe, geschlossen. Selbst grosse Fabriken wie das Peugeotwerk von Mulhouse, das immerhin 7500 Personen beschäftigt, war diesen Sommer vier Wochen zu und hat erst am 17. August wieder begonnen, Autos zu produzieren.

In der Schweiz hat die bei weitem überwiegende Mehrheit der Kantone wie Basel-Stadt und Baselland am 4. Juli mit den Sommerferien begonnen. Ganz besonders gut haben es die Tessiner Schülerinnen und Schüler. Sie mussten vom 19. Juni bis zum 30. August nicht in die Schule. Das sind die gleichen zehn Wochen, die in den 1950er-Jahren die Sommerferien in Frankreich dauerten. Begründet worden war dies dort damals mit einer stark rural geprägten Gesellschaft, in der man die Kinder mehrere Wochen für die Ernte brauchte. Im Tessin haben die langen Sommerferien auch Nachteile. Die Herbst- und auch die Skiferien dauern im Süden der Schweiz lediglich eine Woche.

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